Sport : Die Angst vor dem Rekord

Freiburg droht bei den Eisbären die 19. Niederlage in Serie

Claus Vetter

Berlin. Es war ein rührender Empfang. Am 5. September pilgerte eine große Abordnung von Fans der Wölfe Freiburg zum Sportforum Hohenschönhausen, um ein historisches Datum in der Geschichte ihres Lieblingsklubs zu zelebrieren. Das Team aus dem Breisgau feierte seine Premiere in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Die Anhänger aus Freiburg gingen auf das Eis, entrollten ein riesiges Transparent mit der Aufschrift: „Willkommen in der DEL“. Zwei Stunden später allerdings grölten die Fans der Berliner Eisbären eben jenen Spruch, selbstverständlich mit hämischem Tonfall unterlegt: Der Aufsteiger hatte sein erstes Spiel in der DEL verloren, und das gleich 2:9.

Drei Monate nach dem unschönen Willkommensgruß lässt sich leider aus Sicht der Freiburger feststellen, dass der Klub immer noch nicht in der DEL angekommen ist. Am Freitag holten sich die Wölfe einen Rekord, den sie sich nicht wirklich gewünscht hatten: Sie verloren ihr 18. DEL-Spiel in Folge und stellen damit die Niederlagenserie der Schwenninger Wild Wings ein. Freiburgs Trainer Thomas Dolak war darauf nicht stolz: „Wir verlieren doch nicht absichtlich.“

Drei von 29 Spielen hat der Aufsteiger in dieser Saison erst gewonnen. Am Freitag gab es ein 3:4 nach Penaltyschießen gegen die biederen Iserlohner, was Dolak irgendwie gar nicht verstehen wollte. „Wir haben mal wieder zu viel herumgespielt, dabei wollten wir doch unbedingt gewinnen.“ Nun gut, die Dimension des rekordträchtigen Freiburger Misserfolges überrascht vielleicht, an sich ist es aber nicht sensationell, dass der Aufsteiger am Tabellenende steht. Dazu reicht allein schon ein Blick auf den Kader der Breisgauer, der selbst in der Zweiten Liga wohl nicht die Konkurrenz überraschen könnte. Schuld an der misslungenen Personalpolitik sind fatale Fehleinschätzungen der Klub-Führung, die sich in den DEL-Statuten nicht auskannte. Die DEL verbot kurz nach Saisonbeginn die Lizenzierung der beiden Spieler Peter Mares und Michael Vasicek außerhalb des Zwölfer-Kontingents für Ausländer. Die beiden gebürtigen Tschechen waren schon lange in Freiburg und hatten in der Zweiten Bundesliga als so genannte Eishockey-Deutsche spielen dürfen. Diesen Passus gibt es in der DEL nicht, die Wölfe hatten unabsichtlich alle Ausländerlizenzen vergeben. Eine Hypothek, denn die beiden Tschechen erwiesen sich nicht als große Hilfe: Vasicek bestritt nur zwei Spiele für die Wölfe, Stürmer Mares hat erst vier Tore in der DEL erzielt.

Es wäre eine Sensation, sollten die Freiburger ausgerechnet heute zu ihrem vierten Saisonsieg kommen: Denn da müssen sie zum zweiten Mal bei den Eisbären antreten (14.30 Uhr, Sportforum), dem Tabellenführer der DEL. Allerdings sind die Berliner momentan ein Tabellenführer, der es locker angehen lässt. Zuletzt gab es für die Berliner Niederlagen in Nürnberg und in Kassel. Große Freude kommt da nicht auf. „Wir sind zu selbstgefällig“, sagt Trainer Pierre Pagé. „Andere brauchen die Punkte dringender als wir, wir sind oft zu entspannt, und gegen verzweifelte Teams verlierst du dann.“ Na ja, findet Manager Peter John Lee, so tragisch sei das doch alles nicht: „Wir verlieren in der Tabelle trotz ein paar Niederlagen nicht an Boden.“ Trotzdem, sagt Pagé, „Freiburg bereitet jedem Gegner Probleme, die Spieler müssen sich auf etwas gefasst machen“.

Derartige Ausführungen sollten Freiburgs Trainer etwas trösten. Thomas Dolak hatte eigentlich schon am Freitag, beim Heimspiel gegen Iserlohn auf die große „Initialzündung“ gehofft. Sollte die nun in Berlin erfolgen und Freiburg nicht mit der 19. Niederlage in Serie einen neuen Rekord aufstellen, dann müsste den Eisbären tatsächlich eine ernsthafte Krise attestiert werden.

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