Sport : Die Angst vor der Fehlfahrt

Ferrari kämpft beim Grand Prix in Japan auch gegen die Pleitenserie der vergangenen Rennen

Karin Sturm[Fuji]

Um optimistisch zu sein, bemüht man bei Ferrari derzeit gern die Geschichte. „Historisch gesehen war der japanische Grand Prix immer ein gutes Jagdrevier für Ferrari. Das Team hat dort rund ein Drittel aller Formel-1-Rennen gewinnen können. Immerhin gab es sieben Siege – alle in Suzuka“, so heißt es in der offiziellen Pressemitteilung vor dem Grand Prix von Japan. Es gibt auch einen guten Grund für diesen Ausflug in die Geschichte: Die Gegenwart sieht nicht ganz so rosig aus.

An die Geschichte anknüpfen kann Ferarri jedoch nicht, diesen Makel hat die jüngste Mitteilung. Denn in Suzuka wird in diesem Jahr gar nicht gefahren, sondern in Fuji. Und dort sah Ferrari 2007 in einem Regenrennen alles andere als gut aus. Eine derartige Pleite darf sich 2008 auf keinen Fall wiederholen – sonst sind die Titelchancen für Felipe Massa dahin.

Sieben Punkte liegt der Brasilianer nach der peinlichen Tankpanne von Singapur hinter Lewis Hamilton. Dort verschleuderte das Team einen fast sicheren Sieg, als Massa durch das zu frühe Abfahrtssignal losraste und den Tankschlauch durch die ganze Boxengasse hinter sich herzog. In Kanada war es ein Stopp gewesen, bei dem kein Sprit floss, in Ungarn ein Motorschaden drei Runden vor Schluss, der Massa aus dem Rennen warf – die Bilanz der Zwischenfälle bei Ferrari in dieser Saison ist nicht gerade vertrauenerweckend.

Damit sich zumindest die Tankdramen – in Valencia war es Kimi Räikkönen, der zu früh losfahren wollte – nicht wiederholen, beschloss Ferrari, für den Rest der Saison auf das komplizierte elektronische Boxenampel-System zu verzichten. Das Wegfahren nach dem Boxenstopp wird in Zukunft wieder „altmodisch“ geregelt – von einem Mechaniker, der das Signal zum Wegfahren gibt.

Das neue System spare zwar viel Zeit, wenn es funktioniere, „aber wir gehen zum alten System zurück, da wir festgestellt haben, dass das Team ruhig sein muss,“ sagte Teamchef Stefano Domenicali. Zu diesem Zeitpunkt des Titelkampfes sei es am wichtigsten, dass alle Beteiligten so wenig Stress wie möglich hätten, „um die potenziellen Fehlerquellen zu minimieren“.

Massa ist jedenfalls überzeugt davon, dass die Scuderia noch einmal kontern kann. „In diesem Jahr haben wir nach schlechten Leistungen mentale Stärke bewiesen. Es sind noch 30 Punkte zu vergeben und wir werden garantiert nicht aufgeben.“ Zunächst einmal gehe es natürlich darum, die sieben Punkte Rückstand zu reduzieren. Sieben Zähler sind durchaus machbar. „Hoffentlich können wir zurückschlagen und wieder Rennen gewinnen“, sagt Massa. „Wir müssen das jedenfalls Schritt für Schritt angehen.“ Seinem Team macht er keine Vorwürfe – im Gegensatz zu vielen Experten von Niki Lauda über Keke Rosberg bis Christian Danner, die Ferraris Verantwortliche nach Singapur mehr oder weniger wörtlich als Deppen bezeichnet hatten.

Massa sagt: „Ich sage nicht: Wir haben dort Punkte verloren und hier Punkte verloren oder wir sollten 40 Punkte mehr haben und hätten die WM dann schon gewonnen. Natürlich gefällt es mir nicht, aber wir gewinnen und verlieren als Team.“ Dennoch sei ihm klar, dass die Fehlerquote in den letzten Rennen gering ausfallen sollte.

Die Vorgabe seiner Chefs Luca di Montezemolo und Stefano Domenicali ist klar: Sie wollen nicht nur eine fehlerfreie Leistung sehen, sondern drei Doppelsiege. „Es ist immer sehr schwierig, hierherzukommen und zu sagen: Wir wollen die letzten drei Rennen alle gewinnen“, sagt Massa. „Man weiß nie, was passiert, aber wir haben eine große Chance.“ Das Wetter scheint ihm jedenfalls schon einmal wohl gesinnt. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr soll es diesmal eher nicht regnen in Fuji. Im Nassen hatte Ferrari in letzter Zeit gegenüber McLaren-Mercedes schließlich immer einen deutlichen Nachteil, außerdem ist der Brasilianer Massa auch nicht unbedingt der beste aller Piloten auf nasser Fahrbahn, selbst wenn er das Gegenteil behauptet.

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