Sport : Die Antwort folgt im Ring

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Nürnberg (Tsp). Natürlich macht der Herausforderer ein finsteres Gesicht, natürlich sagt er so selbstbewusst, als müsste er bloß sein Auto in die Garage fahren: „Ich werde auf jeden Fall siegen. Entweder vorzeitig oder nach Punkten.“ Solche Sprüche gehören ja dazu. Thomas Tate kennt nach 47 Kämpfen (41 Siege, sechs Niederlagen) die Regeln des Profiboxens gut genug, und außerdem hat er sowieso noch etwas gutzumachen gegen Sven Ottke. Der Weltmeister im Supermittelgewicht nach der IBF-Version hat ihn, den Profi aus den USA, 1999 in Magdeburg durch einen umstrittenen Abbruchsieg geschlagen, und jetzt will Tate „Rache“. Am Sonnabend genau gesagt, da trifft er in Nürnberg auf Ottke (ab 22 Uhr 20, live in der ARD). „Diesmal wird es klappen, es ist nur eine Frage der Zeit“, dröhnt Tate auch noch bei einer Pressekonferenz. Ottke aber schweigt vor allem. Er schweigt mit dieser Souveränität, die man besitzt, wenn man seinen WM-Titel schon 13 Mal verteidigt hat. Gut, zwei Sätze sagt er doch. Aber die wirken fast so wie ein souveränes Schweigen. Ottke sagt: „Bisher habe ich meine Antwort immer im Ring gegeben. Ich bin der bessere Boxer.“

Zumindest ist er der Favorit. Er hat als Profi 26 Mal geboxt, 26 Mal hat er nicht verloren. Aber er hat nicht immer souverän gewonnen. Gegen Tate benötigte er Glück. Damals brach der Ringrichter den Kampf nach einer Augenbrauenverletzung von Ottke in der elften Runde ab, weil der Unparteiische einen Kopfstoß des Gegners gesehen hatte. „Technischer Punktsieg“ für Ottke lautete damals das umstrittene Urteil. Für Tate selbstverständlich noch heute eine krasse Fehlentscheidung: „Der Titel ist mir geraubt worden.“

So etwas hört Wilfried Sauerland, Ottkes Manager, ganz gern. Es heizt das Duell an, und es fördert die Quote. „Keine Frage: Das wird Ottkes schwerster Kampf. Tate hat seit der Niederlage auf diese Revanche hingearbeitet und sich zuletzt bei der IBF die Position Nummer eins durch den Abbruchsieg gegen Omar Sheika erkämpft“, sagt er. Teilweise ist das die Wahrheit. Der Rest freilich ist PR für den Kampf.

Schwerer als Ottke wird es Schwergewichtler Timo Hoffmann haben, der im Kampf um die IBF-Intercontinental-Meisterschaft gegen Ross Puritty (USA) boxen wird. Der 35-jährige US-Amerikaner hat 1998 immerhin den derzeitigen WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko besiegt (Technischer K.o. in der elften Runde). „Viele werden sich über Timos Stärke noch wundern“, sagt gleichwohl Manfred Wolke, der Trainer von Hoffmann. „Ich bin fest davon überzeugt, dass er den Kampf gewinnen wird.“ Einen Vorteil hat Hoffmann (24 Siege, zwei Niederlagen) auf jeden Fall: Der 2,02-m-Hüne überragt seinen Gegner um elf Zentimeter.

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