Sport : Die Apotheke wieder knapp verfehlt

Karsten Doneck

Die Zuschauer trauten ihren Augen kaum. Nichts war wie sonst. Seit Jahren schon hatte der VfB Friedrichshafen gegen den SC Charlottenburg in schöner Regelmäßigkeit gewonnen, meist sogar recht deutlich. Und diesmal? 25:21, 25:23 führte der SCC in der Bodenseehalle, und die Miene von VfB-Trainer Stelian Moculescu war mindestens so finster wie draußen der Abendhimmel. Was für Berlins Volleyball-Bundesligisten so vielversprechend begann, nahm jedoch den gewohnten Ausgang. "Plötzlich, wie auf Knopfdruck, war alles weg, unsere Mannschaft ist total eingebrochen", schilderte SCC-Manager Kaweh Niroomand den Fortgang der Partie nach der überraschenden 2:0-Satzführung. Die Friedrichshafener, Tabellenführer, lenkten das Spiel bis zum 3:2-Endstand (21:25, 23:25, 25:17, 25:14, 15:11) doch noch in die üblichen Bahnen.

Die Charlottenburger staunten nach den beiden gewonnenen Auftaktsätzen offenbar selbst darüber, wie leicht es ihnen diesmal doch fiel, den für schier übermächtig gehaltenen Deutschen Meister in die Ecke zu drängen. Vor lauter Staunen vergaßen sie allerdings, ihre Linie beizuhalten. So führte der VfB im dritten Satz schnell mit 6:0. Und Niroomand klagte: "Da sind wir in ein Loch gefallen, aus dem wir anschließend nicht mehr rausgekommen sind." Die Schlussfolgerung des SCC-Managers: "Irgendwie hat das auch mit Psychologie zu tun. Das ist diese Geschichte, dass man zwar kurz vor der Apotheke steht, aber sich dann doch noch in die Hose macht."

Was den SCC besonders nachdenklich stimmte: Die Mannschaft wäre mit einem 3:0-Sieg in Friedrichshafen an die Tabellenspitze geklettert, fiel aber durch die Niederlage auf Rang drei zurück und muss vor den letzten beiden Spielen gegen Bayer Wuppertal am kommenden Sonntag (15 Uhr, Sömmeringhalle) und beim TV Düren um die Play-off-Teilnahme zittern. Auch ein Zeichen dafür, wie ausgeglichen die Volleyball-Bundesliga in dieser Saison ist.

Immerhin blieb den Charlottenburgern bei der Heimreise vom Bodensee nach Berlin auch eine positive Erkenntnis. Die Distanz zum VfB Friedrichshafen erscheint seit Samstagabend nämlich nicht mehr ganz so unüberbrückbar wie in den Jahren zuvor. "Wir haben einem europäischen Spitzenverein in dessen Halle ein Fünf-Satz-Spiel abgezwungen", sagt Kaweh Niroomand, "das zeigt, wir sind näher an denen dran, als ich gedacht habe." Und ein Wiedersehen zwischen dem VfB Friedrichshafen und SCC kann es noch in dieser Saison geben, vielleicht ja sogar im Endspiel um die Deutsche Meisterschaft. Und wieder mit dem bekannten Ausgang?

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