Sport : Die Arbeiter

In 18 Tagen durch die Liga (5). Heute: 1. FC Kaiserslautern

Oliver Trust

Die neue Saison der Fußball-Bundesliga beginnt am 1. August. Bis zum Start beantworten wir die wichtigsten Fragen zu den 18 Vereinen.

Wer hat das Sagen? Charmant wirkt René C. Jäggi. Hinter den Kulissen aber ist der Vorstandsvorsitzende knallhart. Nach der erfolgreichen Sanierung des Schuldenklubs lässt er jetzt andere die Arbeit verrichten. So war es dem Aufsichtsratschef Walter Ruda vorbehalten, den unliebsamen Aufsichtsrat Hans- Peter Briegel zum Rücktritt aufzufordern. Briegel ist in Ungnade gefallen, weil er eine Palastrevolution gegen Trainer Erik Gerets angezettelt hat.

Was ist das Besondere? Ärmel hoch und rennen – der FCK bleibt seinem Image treu. Das Siegel der ehrlichen Arbeiter hat der Klub durch das Geschäftsgebaren der alten Führung und deren Steuertricks allerdings verloren. Mit dem Geschäftsmann Jäggi steuert der Klub nun gegen. Nun heißt es: Alte Führung gegen neue. Die Streitereien werden den FCK noch Monate begleiten. Es geht jetzt vor Gericht weiter.

Was hat sich verbessert? Mit Erik Gerets hat der FCK einen Trainer, der als international erfahrener Fachmann gilt, der eine klare Linie fährt. Zum ersten Mal kann er eine gesamte Vorbereitung durchziehen. Nach dem Verkauf des Stadions und des Trainingsgeländes scheint der Klub finanziell die großen Sorgen der vergangenen Saison los zu sein.

Wie sicher ist der Trainer? Die Fans lieben Erik Gerets. Mit dem Image der ehrlichen Haut behaftet, kann sich Gerets der rückhaltlosen Unterstützung durch seinen Chef Jäggi sicher sein. Der Belgier hat nach dem Wunder Klassenerhalt jede Menge Kredit bei den Anhängern. Mit dem Ziel einstelliger Tabellenplatz hat er sich selbst ein hohes Ziel gesetzt. Das Team bekam durch ihn wieder taktische Disziplin.

Wie passen die Neuen? Mit leeren Kassen blieben große Sprünge aus. Nach Bill Tchato (Abwehrmann für die Viererkette) hat Gerets mit Kamil Kosowski (Wisla Krakau/ausgeliehen) und Stijn Vreven (FC Utrecht) zwei Profis, die die oft kopflose Mannschaft stabilisieren sollen. Mit ihnen will Gerets das Flügelspiel beleben. Sie müssen Ciriaco Sforza ersetzen, der nach einem Achillessehnenriss sechs Monate pausiert.

Wie wird gespielt? Kernig und offensiv. Gerets wird mit seinem Lieblingssystem, dem 4-2-3-1, spielen lassen. Aus den Handwerkern vom Betzenberg werden zwar keine Balletttänzer, aber die Anhänger des Vorwärtsfußballs kommen auf ihre Kosten.

Wer sind die Stars? Mit den vielen neuen Spielern muss sich erst noch eine neue Hierarchie in der Mannschaft entwickeln. Mario Basler und Harry Koch haben den Verein verlassen. Der schüchterne Stürmer Miroslav Klose taugt auch in der kommenden Saison nur für die Rolle als stiller Star. Torwart Tim Wiese ist da schon lauter, geht gerne ins Sonnenstudio und erzählt davon, dass er Oliver Kahn überflügeln will.

Was gibt das Stadion her? Seit Freitag ist klar, dass das Fritz-Walter-Stadion nach einer langen Pause weiter ausgebaut wird. Allerdings wird der Umbau für die öffentliche Hand teuer. Das Land Rheinland-Pfalz, die Stadt, die neue Objektgesellschaft sowie das Organisationskomitee für die WM 2006 sind optimimistisch, die Blamage, nicht rechtzeitig bis zur WM fertig zu werden, will sich keiner erlauben.

Wie sind die Fans? Treu und ergeben. Seitdem Gerets und Jäggi da sind, fühlen sie sich wieder heimisch am Betzenberg. Aber nur Erfolge können die Kluft zum Anhang schließen, die sich seit Trainer Otto Rehhagel aufgetan hat. Beim Dauerkartenverkauf gehört der FCK zur Ligaspitze.

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