Sport : Die Arroganz des Herrn Aragonés

Spaniens Trainer legt sich mit dem Verband an

Madrid - Vier Monate vor Beginn der Europameisterschaft ist in Spanien ein Streit zwischen Nationaltrainer Luis Aragonés und dem Fußballverband RFEF ausgebrochen. Der 69 Jahre alte Coach warnte die Verbandsführung davor, vor Ende der EM in Österreich und der Schweiz den Namen seines Nachfolgers bekanntzugeben und ihn damit zu einem Trainer auf Abruf zu machen. „Eine Nationalelf kann nicht zwei Trainer gleichzeitig haben“, sagte Aragonés.

Er wies allerdings Spekulationen zurück, wonach er noch vor der EM seinen Rücktritt erklären will, falls der Name des künftigen Nationaltrainers in der Presse durchsickern sollte. „Ich werde nicht zurücktreten“, sagte Luis Aragonés. „Das Korrekteste wäre, wenn der Verband mich hinauswürfe und einen neuen Trainer verpflichtete.“ RFEF-Präsident Angel María Villar räumte ein, dass der Verband die Suche nach einem neuen Nationaltrainer aufgenommen hat. Er versicherte aber, dass Aragonés bis zum Abschluss der EM im Amt bleibt.

Der Coach hatte angekündigt, dass er seinen im Juli auslaufenden Vertrag mit dem RFEF nicht verlängern will. Als Favoriten für die Nachfolge gelten der ehemalige Nationalcoach José Antonio Camacho, der zurzeit Benfica Lissabon betreut, und Real Madrids früherer Erfolgstrainer Vicente del Bosque.

Aragonés will trotz seines Alters seine Karriere nicht beenden und in der kommenden Saison eine Klubmannschaft betreuen. Nach Presseberichten soll er insgeheim darauf hoffen, mit Spanien bei der EM zu triumphieren und vom Verband zum Bleiben bewegt zu werden.

Seit 2004 ist Aragonés Trainer der spanischen Nationalmannschaft, mit der er trotz guter Vorrunde bei der WM 2006 in Deutschland bereits im Achtelfinale an Frankreich scheiterte. Seitdem steht der Coach wegen des sportlichen Misserfolges in seiner Heimat in der Kritik. Unumstritten war der langjährige Spieler und Trainer von Atletico Madrid – mit dem Klub wurde er drei Mal Spanischer Meister und 1977 führte er Atletico als Coach zur spanischen Meisterschaft – in seiner Heimat nicht. Nachdem Aragonés 2004 bei einem Training rassistische Aussprüche getätigt hatte, verhängte der europäische Fußball-Verband Uefa im März 2005 eine Strafzahlung von 3000 Euro – mit der Ankündigung, im Wiederholungsfall drastischere Maßnahmen zu ergreifen. Arogonés hatte erwiesenermaßen den damals beim FC Arsenal spielenden Thierry Henry mit einem Ausspruch diffamiert. dpa/Tsp

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