Sport : Die Arroganz verspielt

Das lähmende Wort Krise schwebt über Leverkusen

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Von Erik Eggers

Leverkusen. So reden nicht einmal Generäle, die eine entscheidende Schlacht verloren haben. Generäle, die verzweifelt versuchen, das Unerklärliche irgendwie begreifbar zu machen, um so den Divisionen und Bataillonen wenigstens etwas Hoffnung zu geben. Generäle, die sich daher in Durchhalteparolen ergehen und euphemistisch von Frontbegradigung sprechen. Nein, nach der 1:3-Niederlage gegen Hannover 96, bis dato punktloser Tabellenletzter, konnte Leverkusens Trainer Klaus Toppmöller nicht einmal eine Perspektive für jenes Team bieten, das in der vergangenen Saison noch das Finale in der Champions League erreicht hatte.

Passé, der ganze Optimismus nach dem verlorenen Spiel gegen Bochum vor drei Wochen. Das hatte Toppmöller noch unter fehlender Fitness seiner WM-Helden abbuchen wollen. Die anschließende Länderspielpause hatten sie nutzen wollen für einen Neuaufbau. Das Spiel gegen Hannover sollte genutzt werden, „um richtig in die Saison zu kommen“. Nun aber, da nicht einmal Pässe über drei, vier Meter angekommen waren, sprach Toppmöller konsterniert und ratlos von „unheimlichen spielerischen Defiziten“, von einem „lauen Zweikampfverhalten“ und einem „Qualitätsabfall, den jeder gesehen hat“. Schlimmer jedoch dürfte für ihn noch die Erkenntnis gewesen sein, dass seine Mannschaft „auch läuferisch unterlegen“ war gegen Hannover 96. Beruht doch das von ihm favorisierte Konzept des kreativen Kurzpass-Spiels neben allen technischen Fähigkeiten auch auf einer konditionellen Überlegenheit. Nur so hatte Bayer spielerisch bessere Mannschaften wie Juventus Turin oder Manchester United in der letzten Spielzeit, die Äonen her zu sein scheint, besiegt.

Es gab am Samstag reihenweise Szenen, die beispielhaft waren für die derzeitige Situation des Vizemeisters. Da umdribbelte Hannovers Angreifer Daniel Stendel, ausgestattet mit der reichen Erfahrung von immerhin zehn Bundesligaspielen, am Strafraumeck die Leverkusener Pascal Ojigwe und Daniel Bierofka. Seine anschließende Vorlage konnte Fredi Bobic völlig unbedrängt zum 2:1 abfälschen. Neben aller Leverkusener Hilflosigkeit zeigte sich hier vor allem eines: der mangelnde Respekt des Außenseiters vor einem Team, das bis vor kurzem noch als europäische Spitzenelf galt. Bayer Leverkusen hat in den ersten fünf Bundesligamatches dieser Saison das verspielt, was hochklassige Mannschaften im Allgemeinen auszeichnet: die Arroganz, die nötig ist, um eine schwache Elf wie die von Hannover 96 zu beherrschen.

Was ist nun zu tun, da das lähmende Wort Krise über Leverkusen schwebt? Toppmöller wollte öffentlich „keine Personalkritik üben, das werde ich mit meinen Spielern hinter verschlossener Tür machen“. Er weiß, dass er sensibel mit seinen erfolgsverwöhnten Profis umgehen muss. Schließlich fehlen ihm vor allem in der Abwehr vernünftige Alternativen angesichts der langen Verletztenliste (Nowotny, Brdaric, Placente, Sebescen, Preuß, Berbatow). Am Samstag zog sich auch noch Neuzugang Juan einen Muskelfaserriss zu. Keine günstige Voraussetzung für das erste Champions-League-Spiel am Mittwoch bei Olympiakos Piräus.

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