Sport : Die Attraktion geht

Maria Scharapowa scheidet bei den German Open gegen Justine Henin-Hardenne aus

Benedikt Voigt

Berlin - Nur ein paar Sekunden nach dem Matchball hatte sich Maria Scharapowa ein rosa Jäckchen übergestreift, das bei nasskaltem Wetter und einer Außentemperatur von zwölf Grad Celcius keinerlei Aussicht auf Wärme versprach. Vielleicht schritt sie deshalb so schnell in Richtung Spielerausgang, kritzelte vier glücklichen Kindern ihren Schriftzug auf Zettel – und verschwand. Die Katar German Open 2005 hatten ihre größte Attraktion verloren.

Maria Scharapowa ist bei ihrem Versuch gescheitert, in Berlin zur Nummer eins der Tennis-Weltrangliste aufzusteigen. Dazu hätte die 18-jährige Russin das Turnier gewinnen müssen, doch sie unterlag gestern bereits im Viertelfinale der Belgierin Justine Henin-Hardenne 2:6, 4:6. „Ich gehe jetzt nicht nach Hause und weine, weil ich nicht die Nummer eins bin“, sagte Maria Scharapowa, „im Moment bin ich Nummer zwei und damit auch ziemlich zufrieden.“ Die Russin, die im letzten Jahr nach ihrem Sieg in Wimbledon Werbeverträge im Wert von zehn Millionen Dollar abgeschlossen hatte, wartet weiterhin darauf, erstmals bei einem Sandplatzturnier ein Halbfinale zu erreichen. Trotzdem sagt sie: „Mein Spiel auf Sand hat sich ziemlich verbessert.“

Gegen Justine Henin-Hardenne allerdings dauerte es einen Satz, ehe sie das auch zeigen konnte. 2:0 und 4:2 führte die in Berlin an Nummer eins gesetzte Russin im zweiten Satz, ehe Justine Henin-Hardenne wie schon im ersten Durchgang konterte und die letzten vier Spiele für sich entschied. „Ich bin ruhig geblieben und habe trotzdem aggressiv gespielt“, sagte die Belgierin, „das war taktisch eine gutes Match von mir.“ Als Henin-Hardenne ihrer Gegnerin beim Stande von 4:4 im neunten Spiel des zweiten Satzes den Aufschlag zu Null abnahm, war das Match entschieden. Die 22-jährige Belgierin hatte zuletzt zwar das Turnier in Warschau gewonnen, doch in Berlin ist sie nur an Nummer zwölf gesetzt, weil sie nach einer langwierigen Viruserkrankung noch nicht wieder ihr altes Leistungsniveau erreicht hat. Fast ein halbes Jahr hatte sie nicht auf der WTA-Tour spielen können. In ihrer Abwesenheit ist Maria Scharapowa zur Nummer zwei der Weltrangliste aufgestiegen. Gestern jedoch bewies Justine Henin-Hardenne, dass sie auf Sand die bessere Spielerin ist. „Ich könnte noch etwas besser spielen“, sagte Maria Scharapowa, „vielleicht beim nächsten Mal.“ Henin-Hardenne spielt heute im Halbfinale gegen die Schweizerin Patty Schnyder. Nadja Petrowa und die Siegerin des Viertelfinales Elena Bowina gegen Jelena Jankovic bestreiten das zweite Halbfinale.

Doch das Match zwischen Maria Scharapowa und Justine Henin-Hardenne dürfte bereits das vorweggenommene Finale gewesen sein. Es war das Duell Tennisschönheit gegen Tennisarbeiterin. Maria Scharapowa pflegte gestern ihr Image als Modequeen der WTA-Tour und erschien in Rosa gewandet auf dem Centre Court. Während der gesamten Turnierwoche hatten die Berliner Boulevardzeitungen „Sexy Maria“ geschrieben, als wäre Sexy ihr erster Vorname. Jedes ihrer Spiele fand auf dem Centre Court statt, während Justine Henin-Hardenne bis gestern warten musste, ehe sie erstmals auf dem besten Platz des Turniers antreten durfte. „Das hat mich schon enttäuscht“, sagte die Belgierin. Sie hat im Gegensatz zu der Russin das Berliner Turnier bereits zweimal gewonnen. Und Nummer eins der Welt war sie ebenfalls bereits.

Vielleicht gelingt das Maria Scharapowa auch irgendwann. „Der Sandboden lehrt mich viel über das Tennisspiel selber“, sagte die Russin nach ihrem Ausscheiden beinahe philosophisch. Das Turnier von Berlin hatte ihr offenbar eine neue Lektion geboten. Die nötige Geduld auf dem Weg zur Nummer eins scheint sie zu haben. „Ich bin noch jung“, sagte Maria Scharapowa, „es liegen noch ein paar Jahre vor mir.“

Ansetzungen heute. Steffi-Graf-Stadion, 11 Uhr Viertelfinale: Bowina – Jankovic (gestern abgebrochen bei 3:6, 6:3). 13 Uhr Halbfinale: Henin-Hardenne – Schnyder, danach: Petrowa – Bowina/Jankovic.

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