Sport : Die Auferstehung

Bremen hat seinen launischen Star Johan Micoud wieder lieb

Frank Hellmann

Bremen. Es ist noch gar nicht lange her, da ging gar nichts mehr beim SV Werder Bremen. Das lag vor allem daran, dass bei einem ganz besonders wenig ging: Johan Micoud. Der mit einem hohen Handgeld und einem Bremer Rekordgehalt vom AC Parma gelockte Mittelfeldstar verkörperte die Krise. Inmitten der erfolg- und lustlosen Mannschaft spielte der 29-Jährige die Rolle des Hauptschuldigen.

Eine Bundesliga-Partie hat nun genügt, und Micoud ist wieder der wichtigste Mann des Teams. Das 2:0 gegen den VfL Bochum war auch seine sportliche Auferstehung. Der Spielgestalter glänzte wie in der Hinrunde, bereitete beide Tore durch Ailton und Banovic vor. Die meisten Ballkontakte, die meisten Torschussvorlagen – bei Micoud lief das Spiel zusammen. „Wenn er vorangeht, müssen die anderen mitziehen. Er verdient viel und kann viel, deshalb darf er seine Unzufriedenheit nicht in negative Energie umwandeln“, forderte Sportdirektor Klaus Allofs vor dem Spiel. Im persönlichen Gespräch hatte er ihm das deutlich gemacht.

Bei Werders Weihnachtsfeier war Micoud mit einem langen roten Mantel aufgelaufen. Die Botschaft dieses Auftritts lautete wohl: Ich bin der Mann mit den außergewöhnlichen Qualitäten. Alle daraus herzuleitenden Privilegien seien, bitteschön, zu tolerieren.

Geht es mit Micoud nun für Werder wieder aufwärts? Das wäre auch für den Franzosen, dessen Vertrag bis 2005 keine Ausstiegsklausel hat, eminent wichtig. Keiner hat sich über das Ausscheiden im Uefa-Cup so geärgert wie er. Meterweit flogen seine Schuhe durch den Kabinengang.

Wenn Micoud wütend wird, dann ohrfeigt er Journalisten oder beschimpft Frankreichs Nationaltrainer Jacques Santini. Auch Thomas Schaaf musste leiden. „Der Trainer ist noch jung und relativ unerfahren“, sagte Micoud, der mit Kollegen meistens Englisch spricht. Er kritisierte Training und Taktik. Schaaf nahm es hin – und hat seinem Star den Weg zurück ins Team ermöglicht. Kein anderer als Micoud scheint Schaafs Elf führen zu können. Das könnte eine fatale Abhängigkeit von einem launischen Fußballer sein, in die sich Werder da begeben hat.

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