Sport : Die Aufsteiger

Mainz überrascht vor allem mit spielerischem Glanz

Christian Tretbar[Mainz]

Zum Glück hatte der fleißige Helfer beim FSV Mainz 05 einen Stuhl parat. Denn als Jürgen Klopp mit seinen Jungs noch ausgiebig auf dem Rasen den 2:1-Sieg über den Deutschen Meister Werder Bremen feierte, wollte der Mitarbeiter rechtzeitig vor der Pressekonferenz die aktuelle Tabelle aufstellen. Doch dass er seine Mainzer so weit oben aufhängen muss, damit hatte er vor der Saison wohl nicht gerechnet. Die Tabelle hängt einfach zu hoch im Konferenzraum. In feinem Orange steht da jetzt Mainz auf Platz drei. Orange, das heißt: Champions-League-Platz. Aber die Aufsteiger bleiben gelassen. „Wir wollen gut spielen und gewinnen, sonst nix“, sagt Publikumsliebling Christof Babatz.

Benjamin Auer, Torschütze zum 2:1-Sieg gegen Bremen in letzter Minute, warnt vor zu großen Erwartungen: „Wir reiten momentan auf einer Euphoriewelle, aber wir müssen bescheiden bleiben.“ Das ist im Sinne von Trainer Jürgen Klopp. Der will sich nicht den Kopf über neue Saisonziele zerbrechen: „Im kommenden Mai hätten wir gerne etwas erreicht, ich habe mir aber noch keine Gedanken gemacht, was das genau sein soll.“ Jürgen Klopp interessiert vor allem der spielerische Fortschritt seiner Mannschaft.

Und der war zuletzt stetig zu erkennen: sowohl gegen große Favoriten als auch gegen Mannschaften wie Bielefeld und Freiburg. Die erste Halbzeit gegen den Deutschen Meister war ein gutes Beispiel. Der Aufsteiger stand nicht nur hinten drin, sondern versuchte, das Kurzspassspiel der Bremer zu zerstören und auf Konter zu lauern. Die Mainzer verschoben geschickt ihre Vierer- Kette, kaum ein Spieler blieb starr auf seiner Position. Außerdem haben die Rheinhessen ordentliche Fußballer in ihren Reihen, etwa Antonio da Silva. Bis vor zwei Jahren hat er noch im 20 Kilometer entfernten Wehen vor 400 Zuschauern in der Regionalliga gekickt. Oder der junge Mimoun Azaouagh. Beinahe jeden Spieltag gehört er zu den Besten der Liga. Er ist kaum vom Ball zu trennen, weiß aber auch, wann es schnell gehen muss.

Doch Stars gibt es nicht in der Mannschaft. Jürgen Klopp hat eine homogene Einheit gebildet und ist dabei, ihr ein effektives und kreatives Spielsystem anzutrainieren. Obwohl die Mainzer bei ihren bisherigen Erfolgen meist einem Rückstand hinterherlaufen mussten. Hamburg, Dortmund und auch Bremen haben in Mainz 1:0 geführt und am Ende doch nicht gewonnen. Einerseits weil sie aufhörten, Druck zu machen. Andererseits spielten die Mainzer jedes Mal unbeeindruckt weiter und erarbeiteten sich ihre Chancen, ohne in Panik zu verfallen.

Das Wunder soll weitergehen. Als der Mainzer Präsident Harald Strutz nach dem Spiel gegen Werder Bremen um eine erste Bilanz des Aufsteigers gebeten wurde, zeigte er kurz auf die große Tabelle an der Wand und antwortete: „Da muss ich ja wohl keine großen Worte drüber verlieren.“

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