Sport : Die Bank macht Sorgen

Kurz vor dem Saisonstart zeigen sich einige junge Spieler von Hertha BSC noch nicht bundesligareif

Stefan Tillmann

Berlin - Nach seinem ersten Training stand Christian Gimenez bei seinen neuen Fans und schrieb Autogramme. Sein Sturmpartner Srdjan Lakic blieb demonstrativ auf dem Platz und schoss auf das leere Tor. Nebenan hockte Trainer Falko Götz im Gras und sprach mit Yildiray Bastürk, der nach dem Weggang Marcelinhos der zentrale Mann hinter den Spitzen werden soll. Mit Gimenez ist der Kader komplett, nun muss Trainer Götz diejenigen auswählen, die am Sonntag beim Bundesligastart von Hertha BSC auflaufen werden. Für die sechs Spieler aus seinem Kader, die am Sonntag in der Regionalliga bei der 0:3-Niederlage gegen den 1. FC Union Berlin in der Startelf standen, wird es schwieriger.

Trainer Falko Götz hatte die Entwicklung junger Spieler vor der Saison mehrfach als ein zentrales Ziel betont. Spieler wie Patrick Ebert, Amadeus Wallschläger und Robert Müller will er langsam an die Mannschaft heranführen. Sofern Hertha Verletzungsprobleme bekommt, müssen die 19- und 20-Jährigen sich auch in der Bundesliga beweisen. Entsprechend enttäuscht war Götz von den Darbietungen gegen Union: „Das war eine Lehrstunde. Ich fordere, dass die Spieler, die bei uns mittrainieren, zu den Leistungsträgern der zweiten Mannschaft gehören.“ Routinier Andreas Schmidt nahm er aus der Kritik heraus. Auch Torwart Kevin Stuhr-Ellegaard traf bei der Niederlage keine Schuld. Robert Müller hingegen wurde bereits zur Halbzeit ausgewechselt. Götz betonte, dass das erste Spiel nie überbewertet werden dürfte. Dennoch: Einige Spieler scheinen noch nicht bundesligareif zu sein.

„Möglicherweise werden wir noch einen der jungen Spieler ausleihen“, sagte Trainer Götz. Viele Optionen gibt es nicht. So ist Robert Müller einer von vier Innenverteidigern. Der 19-Jährige soll gemeinsam mit Christopher Samba bereitstehen, falls sich Josip Simunic und Dick van Burik verletzen. In der Abwehr und im Mittelfeld kann Hertha auf die Spieler aus der Regionalliga kaum verzichten. Deswegen ist auch Andreas Schmidt wieder dicht an der ersten Mannschaft dran. Zwei Jahre lang war der 32-Jährige ins Regionalligateam abgetaucht, absolvierte in den vergangenen zwei Spielzeiten nur ein Bundesligaspiel. Nach der Niederlage gegen den 1. FC Union Berlin sagte der Mittelfeldspieler: „Ich glaube nicht, dass ich dieses Jahr oft bei der zweiten Mannschaft spielen kann.“ Das Profiteam braucht ihn.

Im Sturm besteht dagegen mit sechs Angreifern ein Überangebot, auch wenn Trainer Götz häufiger mit zwei Stürmern spielen lassen will. Nach den Verpflichtungen von Lakic und Gimenez wird es schwieriger für die jungen Ashkan Dejagah, Chinedu Ede und Solomon Okoronkwo, die allesamt dem Profikader angehören. Der Platz neben Marko Pantelic im Sturm ist begehrt.

Vielleicht betonte Gimenez deswegen nach dem Training das gute Verhältnis zu Pantelic und herzte dessen kleine Tochter. Der Argentinier wirkte bei seinem ersten Training etwas müde. Nach seiner Verpflichtung am Freitag war er am Samstag nach Frankreich geflogen, um seine Freundin und seinen Sohn zu holen. Erst gestern früh war er wieder in Berlin gelandet. Am Donnerstag in der Qualifikation für den Uefa-Cup gegen Ameri Tiflis ist der Argentinier noch nicht spielberechtigt, weil er für Olympique Marseille im UI-Cup spielte. Lakic hofft deshalb auf seine Chance.

Nach dem Training fuhr die Mannschaft nach Oranienburg. Dort spielte sie Strandfußball, badete in einem Erlebnisbad. Auch die Partnerinnen und Kinder waren eingeladen. Die Spieler, die in der Regionalliga gespielt hatten, blieben in Berlin und absolvierten Auslauftraining. Sie werden ab heute wieder versuchen, sich ins Team zu spielen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben