Sport : Die Bankdrücker

Der 1. FC Union hält an Trainer Mirko Votava fest – vorerst

Karsten Doneck

Berlin. In großer Runde saßen sie beieinander. Zweieinhalb Stunden lang. Danach fiel – keine Entscheidung. „Es gibt keinen Handlungsbedarf, also auch keine Personalentscheidung“, teilte Lars Töffling, Unions Medienauftragter, nach der Sitzung in der Geschäftsstelle in der Hämmerlingstraße lapidar mit. Damit steht fest: Mirko Votava behält seinen Trainerjob beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Union. Vorerst nur? Oder doch langfristig? Bei Union kann man sich da nie ganz sicher sein. Auf jeden Fall wird Votava die Mannschaft nun in dieser Woche auf den MSV Duisburg vorbereiten und dann am Sonntag beim Spiel wieder auf Unions Trainerbank Platz nehmen.

Votava selbst kann die Diskussionen über seine Person längst nicht mehr hören. Er versucht, sich dagegen abzuschotten. „Ich muss mich auf meine Aufgaben konzentrieren“, sagt er. In Frage gestellt wird er – mal mehr, mal weniger – schon seit der Schlussphase der vorigen Saison. Das leidige Hin und Her in der Trainerfrage hinterlässt Spuren, die ihm die Arbeit nicht leichter machen. „Die Mannschaft wird da doch zwangsläufig mit reingezogen“, sagt Votava.

Das 2:2 am Sonntag bei der SpVgg. Greuther Fürth war spielerisch keine Offenbarung. Aber hohe Fußballkunst kann man im Abstiegskampf nicht ernsthaft erwarten, schon gar nicht in der generell fürs Rustikale bekannten Zweiten Liga. Was bei Union in Fürth positiv auffiel, waren Kampfgeist und Moral der Mannschaft. Selbst als die Spieler nach der Pause zum zweiten Mal in Rückstand gerieten, war ihr Wille längst nicht gebrochen. „Es funktioniert doch alles. Wenn wir das so durchziehen wie zuletzt, dann bleiben wir auch in der Zweiten Liga“, sagte Votava hinterher.

Indes: Unions Präsidium drückt sich weiter vor einer klaren Entscheidung in der Trainerfrage. Um die leidige, weiterhin Unruhe in den Verein bringende Debatte schnell zu beenden, gibt es nur zwei Möglichkeiten. Entweder spricht Präsident Jürgen Schlebrowski dem Trainer das Vertrauen aus, indem er öffentlich kundtut, mit Votava zumindest bis Saisonende weiterzumachen und notfalls mit ihm in die Regionalliga abzusteigen. Oder er beurlaubt Votava sofort, um dann mit einem neuen Trainer sein Glück zu versuchen und gegebenenfalls auch die personellen Planungen für die nächste Saison voranzutreiben. Union aber wartet ab. Und wartet und wartet – bis es irgendwann zu spät sein könnte.

„Man muss doch bloß mal die Mannschaft sehen. An deren Leistung lässt sich doch am besten ablesen, ob man für oder gegen einen Trainer arbeitet“, hat Unions Mannschaftskaptiän Steffen Baumgart nach der Partie in Fürth versucht, Votava den Rücken zu stärken. Dennoch hat Union in den zehn Auswärtsspielen dieser Saison noch keinen Sieg geschafft. „Wenn wir auswärts nicht gewinnen, ist es schon ein Muss, die Heimspiele zu gewinnen“, fordert Schlebrowski.

Sechsmal darf Union in dieser Saison noch zu Hause antreten. Holen die Köpenicker aus diesen Partien die maximale Ausbeute von 18 Punkten, wären sie bei 39 Zählern insgesamt angelangt – das könnte gerade so reichen für den Klassenerhalt.

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