Sport : Die Barbaren kommen

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Als Erste fand die „Gazzetta dello Sport“ wieder Worte. „La fine di un’era“, das Ende einer Ära, rauschte es aus den rosa Seiten der wichtigsten Fußballzeitung Italiens. Vom Ende der Titelsammelei war die Rede und vom Neuaufbau. Gemeint war Inter Mailand, der Tripleverteidiger, der sich gerade gegen den FC Schalke 04 aus der Champions League verabschiedet hatte.

Dabei war es nicht nur Inters Ära, die da in Gelsenkirchen endgültig zu Ende gegangen ist. Inter demonstrierte lediglich, wie verdient Italien in der Uefa-Wertung hinter Deutschland zurückgefallen ist. Der Auftritt Inters gegen den Bundesliganeunten war so leblos und dekadent, wie der Sieg gegen Bayern München zuvor glücklich war. Der stete Niedergang Fußball-Italiens setzt sich fort, alle anderen Serie-A-Teams waren bereits ausgeschieden, wie so oft in den letzten Jahren.

Die italienische Nationalmannschaft blamiert sich bei EM- und WM-Turnieren, in den maroden Stadien der Serie A regieren mal Desinteresse, mal Gewalt. Die Italiener wollen es nicht wahrhaben, sie zehren vom WM-Titel 2006 und dem Champions-League-Sieg 2010, aber das war eine Episode, ein Wundersieg des Wundertrainers José Mourinho, der Ausklang einer Ära. Wie die alten Römer liegen die Italiener zwischen verfallenen Palästen und sagen: „Was, die Barbaren aus dem Norden überrennen uns? Das glaube ich nicht.“  

Die Selbstblendung geht also weiter. Als neuer Trainer werden bei Inter Barcelonas Pep Guardiola oder wieder Mourinho gehandelt. Silvio Berlusconi versprach Milan jüngst die Verpflichtung von Cristiano Ronaldo. Keiner hat es nötiger, von der Wirklichkeit abzulenken.

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