Die Bayern haben in der Liga keine Konkurrenz mehr : Meister im Schattenboxen

Der Sieg in Mönchengladbach zeigt den Bayern, dass ihnen in der Liga wohl keine Gefahr mehr droht.

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Herr, lass Gegner regnen! Mario Götze (links) und David Alaba sind mit dem FC Bayern München in dieser Saison bislang vergeblich auf der Suche nach ebenbürtigen Widersachern in der Bundesliga.
Herr, lass Gegner regnen! Mario Götze (links) und David Alaba sind mit dem FC Bayern München in dieser Saison bislang vergeblich...Foto: imago/Revierfoto

Dieser Weg würde kein leichter sein, das wusste Max Eberl. Er ging ihn trotzdem – hinein in den Kabinentrakt des FC Bayern München, zu dessen Co-Trainer Hermann Gerland. Eberl war jetzt nicht mehr der 40 Jahre alte, erfolgreiche Manager des Fußball-Bundesligisten Borussia Mönchengladbach, er war wieder der 17 Jahre alte A-Jugendspieler der Bayern. Und Gerland wieder sein Trainer. Was genau Gerland sagte, war aus der Ferne nicht zu vernehmen, aber es ging offensichtlich um den inzwischen stattlichen Körperumfang Eberls. Wie zum Beleg versetzte Gerland seinem früheren Schützling einen liebevollen Faustschlag in den Bauch. „Ach, hör doch auf“, sagte Eberl. Und lachte.

Seiner Mannschaft war es gegen die Bayern ähnlich ergangen. Das 0:2 (0:1), Gladbachs erste Heimniederlage der Saison, kam einem Tiefschlag gleich. Aber die Borussia nahm ihn gewissermaßen mit einem Lächeln entgegen. Kurz vor Schluss, im Bewusstsein der sicheren Niederlage, fingen ihre Fans an, vom Europapokal zu singen. Und das war keineswegs sarkastisch gemeint. „Wir haben nicht gegen irgendjemanden gespielt“, sagte Borussias Mittelfeldspieler Granit Xhaka. „Wir haben gegen Bayern München gespielt, die beste Mannschaft der Welt.“

Auch wenn die Gladbacher sich im Laufe der 90 Minuten eine ganze Reihe guter Chancen erspielt hatten – im Grunde war der Tabellendritte chancenlos. Von kurzen Phasen abgesehen, in denen sich die Gastgeber mutig am Spiel beteiligten, dominierten die Bayern. „Sie können alles“, sagte Borussias Trainer Lucien Favre. Das Spiel war eine Demonstration bayrischer Stärke, eine fast schon finale Bestätigung für die allgemeine Befürchtung, dass der Kampf um den Meistertitel in dieser Saison eher eine Art Schattenboxen wird. „Gut und beruhigend“ fand Bayerns Kapitän Philipp Lahm den gelungenen Jahresauftakt. Als eher schlecht und zunehmend beunruhigender empfindet hingegen die Konkurrenz inzwischen die Dominanz der Münchner.

Seit 42 Spielen sind sie in der Bundesliga unbesiegt, auswärts haben sie jetzt 27 Mal hintereinander nicht verloren – was dem Rekordmeister endlich mal wieder einen Rekord einbrachte. Ob er sich nicht sorge, dass die Liga langweilig werde, wurde Bayerns Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge gefragt. „Das ist nicht unsere Aufgabe“, antwortete er. „Wir versuchen guten und erfolgreichen Fußball zu spielen. Das ist unsere Aufgabe.“

Dieser Aufgabe kommen die Münchner mit derart kühler Entschlossenheit nach, dass es den Rest der Liga längst fröstelt. „Man muss einfach sagen, dass das eine andere Klasse ist“, sagte Gladbachs Torhüter Marc-André ter Stegen. Es war – je nach Sichtweise – beeindruckend oder beängstigend, wie die Münchner dem Gegner ihren Willen aufzwangen. Einem Gegner, der in der Vorrunde zu den positiven Überraschungen der Bundesliga gehörte, sich durch eine gewisse spielerische Klasse hervorgetan hatte und vor allem in seinen Heimspielen mit großer innerer Überzeugung aufgetreten war. Eigentlich ziehen die Gladbacher ihr Spiel ruhig und überlegt von hinten auf. Gegen die Bayern aber herrschte von Beginn eine solche Panik in ihren Reihen, dass sie meist nur eine flüchtige Bekanntschaft mit dem Ball machten.

Nicht einmal die offenkundigen Personalprobleme schienen die Bayern zu beeinträchtigen. „Wir werden immer elf Topspieler auf dem Feld haben“, sagte Thomas Müller. Und obwohl im Borussia-Park Bastian Schweinsteiger, Javi Martinez, Franck Ribéry und Arjen Robben fehlten, verzichtete Pep Guardiola auch noch aus freien Stücken auf seinen erfolgreichsten Torschützen Mario Mandzukic. Dessen Eifer im Training hatte wohl zuletzt etwas zu wünschen übrig gelassen. „Der Trainer wird seine Gründe haben“, sagte Müller. „Die Mannschaft steht natürlich dahinter.“

Wenn man die Befindlichkeiten rund um die Bayern kennt, kann man sich leicht ausmalen, was ganz schnell aus der Lustlosigkeit des Kroaten konstruiert wird. Könnte es da nicht einen Zusammenhang mit der Verpflichtung von Robert Lewandowski geben, die in der Winterpause verkündet wurde? „Es ist alles falsch, was spekuliert wird“, zeterte Bayerns Sportdirektor Matthias Sammer „Wir brauchen ihn, wir sind auch glücklich mit ihm.“ Offensichtlich darf die Konkurrenz in dieser Saison nicht mal auf ein bisschen internen Ärger bei den Bayern hoffen.

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