Sport : Die Berliner Basketballer können am Donnerstag den vierten Titel holen

Benedikt Voigt

Svetislav Pesic saß mit einem Mikrophon auf einem Barschemel im VIP-Raum der Wilhelm-Dopatka-Halle und referierte das Thema "Schlafen". "Ich schlafe immer gut", sagte der Trainer von Alba Berlin, "aber es ist wichtig, dass auch die Spieler gut schlafen." So mancher der rund 40 Zuhörer wurde unruhig, wahrscheinlich hatten sie bei der Pressekonferenz nach dem zweiten Finalspiel um die Deutsche Basketball-Meisterschaft ein anderes Thema erwartet. Doch Pesic ließ sich nicht beirren. "In den Play-offs ist guter Schlaf wichtig", fuhr er fort, "wenn wir gewinnen, schlafen wir tiefer und ruhiger."

Also dann, gute Nacht Alba. Der 70:48 (35:37)-Erfolg von Alba Berlin beim Basketball-Rekordmeister Bayer Leverkusen im zweiten Finalspiel nun wirklich dazu angetan, für eine angenehme Nachtruhe bei den Berlinern zu sorgen. 2:0 führt Alba in der Finalserie nach dem Modus "Best of five". Schon am Donnerstag (20.30 Uhr, Max-Schmeling-Halle, live im DSF) können sich die Berliner den vierten Meistertitel in Folge sichern. Erleichtert sagte Trainer Svetislav Pesic: "Natürlich sind wir jetzt im Vorteil." Doch Pesic wäre nicht Pesic, wenn er vor dem dritten Finale nicht vorsichtig wäre. "Ich habe schon viel erlebt im Sport", erklärte der 50-jährige Coach, "ich bin wahrscheinlich der einzige in Berlin, der sich auch auf eine Niederlage vorbereitet." Als Warnung dürfte ihm gelten, dass Frankfurt im Halbfinale gegen Leverkusen ebenfalls 2:0 in Führung lag und schließlich 2:3 verlor. Welchen weiteren Grund gibt es für einen Leverkusener Erfolg? Leverkusens Centerspieler Hansi Gnad sagte: "Überhaupt keinen."

Der 36-jährige Europameister von 1993 hatte mit seinem Team in der zweiten Halbzeit einen Negativrekord aufgestellt. Noch nie, seit die Basketball-Bundesliga (BBL) eine Statistik führt, erzielte ein Bundesliga-Team in einer Halbzeit lediglich elf Punkte. Die Wurfquote der Leverkusener lag in den zweiten 20 Minuten bei desaströsen acht Prozent. Aufgerundet. "So etwas habe ich noch nicht erlebt", sagte sogar Routinier Gnad. Trainer Svetislav Pesic hatte von seiner Mannschaft in der Pause zwei Dinge gefordert: Die Angriffe der Leverkusen nach fünf bis acht Sekunden stoppen und selber Schnellangriffe laufen. Das Resultat: Nach der Pause entschieden die Berliner mit einer 17:0-Serie das Spiel. Erst nach sechs Minuten und 59 Sekunden erzielte Bayer durch einen Freiwurf den ersten Punkt der zweiten Halbzeit, was für die Zuschauer besonders unangenehm war. In der Wilhelm-Dopatka-Halle herrscht die Sitte, so lange stehen zu bleiben, bis Leverkusen seinen ersten Korb erzielt.

"Wir konnten keinen Schritt mehr machen, ohne dass ein Alba-Spieler da war", wunderte sich Gnad, "aber das ist natürlich einfacher, wenn wir nicht mehr geradeaus laufen können." Tatsächlich wirkten die Leverkusener im siebten Spiel in 16 Tagen müde. "Es ist ganz wichtig, dass die Jungs jetzt eine Pause machen", erklärte Leverkusens Trainer Calvin Oldham. Der Widerstand der Gastgeber hatte sich auf die erste Halbzeit beschränkt, in der Trainer Pesic vor allem die Defensive seiner Mannschaft bemängelte.

War das 2:0 nun der entscheidende Punkt für Alba? "Entscheidend ist der dritte Sieg", sagte Pesic. "Das wird noch einmal ein harter Kampf", ergänzte auch Albas Aufbauspieler Vladimir Bogojevic, "ich glaube nicht, dass sich Leverkusen jetzt aufgibt." Mindestens Bayer Leverkusens Manager Otto Reintjes hat den Glauben daran noch nicht verloren, dass seine Mannschaft den vierten deutschen Meistertitel von Alba Berlin verhindern kann und sich selber den 15. Titel sichert. "Mein Tip ist 3:2 für uns", sagte der künftige General Comissioner der BBL, "jetzt müssen wir einmal in Berlin gewinnen." Der Manager hatte den Überblick ein wenig verloren, ein Zuschauer verbesserte: "Wir müssen zwei Mal in Berlin gewinnen."

Das freilich ist unwahrscheinlich, zumal Hansi Gnad zugibt: "Die Vize-Meisterschaft ist auf jeden Fall ein Erfolg für uns, damit hat vor der Saison keiner gerechnet." Der 2,08 Meter große Basketballer trug durch seinen Wechsel von Real Madrid an den Rhein erheblich zu diesem Aufschwung bei. Für die kommende Saison liegen ihm Angebote aus Italien vor, doch Gnad kann sich vorstellen, in Leverkusen zu bleiben: "Wir möchten im nächsten Jahr noch näher an Berlin heranrücken." Er hat im nächsten Jahr gesagt.Mehr zum Thema unter: www.meinberlin.de/alba

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