• Die Berliner Handballer haben noch keinen Hauptsponsor: Den Füchsen fehlt ein Zehntel des Gesamtetats

Die Berliner Handballer haben noch keinen Hauptsponsor : Den Füchsen fehlt ein Zehntel des Gesamtetats

Neun Wochen vor dem Saisonstart haben die Handballer der Füchse noch keinen Hauptsponsor. An eine vergleichbare Situation kann sich Füchse-Manager Bob Hanning nicht erinnern.

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Kommt an unsere Brust. Die Füchse suchen einen neuen Hauptsponsor.
Kommt an unsere Brust. Die Füchse suchen einen neuen Hauptsponsor.Foto: Imago

Seit ziemlich genau zehn Jahren ist Bob Hanning jetzt schon in Berlin tätig, und dank seines ausgeprägten Mitteilungsbedürfnisses gibt es viele Geschichten über ihn und den Verein. Die vom Schuhkarton etwa, in den feinschlampig alle relevanten Dokumente über den Verein geworfen worden waren. Hanning hat ihn damals nach seiner Vertragsunterschrift als Manager der Füchse Berlin in der Geschäftsstelle des Vereins vorgefunden. Oder die Geschichte vom neuen Trainingszentrum, das im Sinne der Nachwuchsarbeit ganz bewusst in der Nähe des Sportinternats in Hohenschönhausen errichtet wurde – und nicht irgendwo im Westen der Stadt, in dem seinerzeit fast die komplette Profi-Mannschaft lebte. Sportlich kulminierte die sportliche Entwicklung schließlich vor wenigen Wochen in einem Europapokalsieg. Trotzdem sagt Hanning: "An eine vergleichbare Situation wie im Moment kann ich mich nicht erinnern." Vor allem unter wirtschaftlichen Aspekten.

Neun Wochen vor dem Start der Handball-Saison 2015/16 stehen die Füchse noch immer ohne Hauptsponsor da. Durch den Rückzug des bisher größten Geldgebers, eines Reiseunternehmens, fehlen dem Bundesligisten 500.000 Euro, also etwa ein Zehntel des jährlichen Gesamtetats. Zudem ist auch der Vertrag mit dem vorherigen Hauptsponsor, einem Energieanbieter, ausgelaufen. "Unsere Existenz ist durch die aktuelle Lage zwar nicht gefährdet, weil wir ein gesunder Verein sind, der immer solide gewirtschaftet und pünktlich seine Rechnungen bezahlt hat", sagt Hanning, "aber wir stehen vor einer echten Herausforderung."

Immerhin befinden sich die Berliner nach Aussage ihres Managers in Gesprächen mit potenziellen Sponsoren. Ein Bauunternehmen etwa ist in der vergangenen Woche zum Premium-Sponsor aufgestiegen und hat sich bereit erklärt, eine Werbefläche auf der Spielhose käuflich zu erwerben. Das große Problem ist damit aber noch nicht gelöst. "Es kann einfach kein dauerhafter Zustand sein, dass wir ohne Logo auf dem Trikot, also mit blanker Brust umherlaufen", sagt Hanning, "das können wir uns nicht leisten." Andererseits haben Hanning und sein Team aus der Geschäftsstelle in nunmehr neun Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit ein Netzwerk aufgebaut, das sich jetzt offenbar – im Wortsinn – bezahlt macht.

Zahlreiche Partner haben sich nun bereit erklärt, ihre finanziellen Zuwendungen künftig zu erhöhen. "Sonst hätten wir ein richtiges Problem", sagt Hanning, "stattdessen profitieren wir von unserem sozialen Engagement und unserer Jugendarbeit." Dass Hanning am Tag des Endspiels um den EHF-Pokal wie selbstverständlich mit der von ihm betreuten B-Jugend zum Finale nach Essen reiste und den größten Erfolg der Vereinsgeschichte auf einem Fernseher am Flughafen verfolgte, hat der Glaubwürdigkeit des Klubs und seiner Außendarstellung dabei sicher nicht geschadet – zumal das Europapokalfinale in der Max-Schmeling-Halle ausgetragen wurde. "Angesichts der beiden Pokale, die wir im letzten Jahr gewonnen haben, ist es trotzdem sehr unerfreulich, dass wir noch keinen neuen Hauptsponsor gefunden haben", sagt Hanning.

Beim Geschäftsführer klingt vor allem die Sorge durch, dass die wirtschaftliche Situation Auswirkungen auf die sportliche haben könnte. Dabei ist die anspruchsvoll genug: Nach Umbauarbeiten gehen die Füchse nicht nur mit sechs neuen Spielern in die Spielzeit sondern auch mit einem neuen Trainer: am 7. Juli soll Erlingur Richardsson die erste Übungseinheit beim neuen Arbeitgeber leiten. Dann wird der Isländer nach aktuellem Stand nur einen gelernten Spieler für die Position im linken Rückraum vorfinden, die im Handball gemeinhin als die wichtigste gilt: den 20 Jahre jungen Paul Drux. "Das ist so natürlich nicht gewollt", sagt Hanning, "aber im Moment können wir nicht mit Geld und Spielern planen, die wir nicht haben." Das hat Hanning in seinen nunmehr zehn Jahren in Berlin schließlich nie gemacht.

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