Sport : Die Berliner planen für das Jahr 2000 ohne Europapokal-Teilnahme

Frank Bachner

Kerzen brannten, Tannenzweige lagen auf dem Tisch, und an schweren Holztischen tagten drei wichtigen Herren über die Zukunft des mittelständischen Unternehmens Hertha BSC. Robert Schwan, der Aufsichtsratsvorsitzende, zog an seiner Pfeife, Jürgen Röber, der Trainer, und Dieter Hoeneß, der Manager, machten wichtige Gesichter. So könnte gestern Abend gewesen sein, bei der Klausurtagung von Hertha BSC in einer Hütte bei Kitzbühel. Was wie ein gemütliches Beisammensein aussah, war für den Fußball-Bundesligisten weitaus mehr: die Weichenstellung fürs Jahr 2000.

Und inzwischen dreht man bei solchen Gesprächen zwischen Kerzenschein und später Weihnachtsstimmung an einem größeren Rad. Hertha steht finanziell auf dem Sprung zur Beletage des deutschen Fußballs. Und damit vor der Abkehr von der vorsichtigen Finanzpolitik der letzten Jahre? Fast 15 Millionen Mark für Alex Alves, vereinsinterner Rekord? Was passiert, wenn sich Alves, wie Marko Rehmer, frühzeitig verletzt?

Das sei natürlich ein Risiko, sagt Ingo Schiller, im Präsidium zuständig fürs Finanzielle. "Aber man muss das Verhältnis zwischen Absicherung und Erfolg betrachten. Es war auch ein Risiko, Dariusz Wosz für fünf Millionen Mark zu kaufen, als wir nur Elfter waren. So sehe ich die Relationen."

Außerdem sieht er "zusätzliche Faktoren", die Herthas Kasse füllen. Der Fernsehvertrag wierd neu ausgehandelt und bringt den Klubs ab Mitte 2000 erheblich mehr Geld (bislang insgesamt 180 Millionen pro Jahr). Ein neuer Hauptsponsor überweist bald einen zweistelligen Millionenbetrag. Und, natürlich, kassiert Hertha bislang 30 Millionen Mark in der Champions League (hat dafür allerdings auch erhöhte Ausgaben). Ziel für die nächste Saison ist die Teilnahme am Europapoka, klar, Leute wie Alves kauft man nicht, um Platz elf zu sichern.

Und trotzdem: Herthas Mann für die Finanazen beurteilt die Lage auf den ersten Blick weiterhin vorsichtig. "Beim Etat für die Saison 2000/2001 gehen wir nicht von einer Teilnahme am internationalen Wettbewerb aus", sagt Ingo Schiller. Sollte Hertha also in Europapokal spielen, wäre das eine Zusatzeinnahme. Das überrascht erstmal angesichts der hohen Personalkosten, die Hertha jetzt hat. Ein neuer Abwehrspieler soll zudem noch her.

Und natürlich gibt es bei dieser Planung noch einen Knackpunkt. Der Etat ist offiziell zwar ausgeglichen, aber die Transferausgaben und -einnahmen sind nicht Teil dieser Etatplanung - wie schon beim Etat 1999/2000. Das ist zumindest ungewöhnlich. Denn in Wirklichkeit blätterte Hertha für Spielerkäufe vor Saisonbeginn rund 20 Millionen Mark hin. Diese Investitionen sind, laut Hertha-BSC-Präsident Walter Müller über Kredite finanziert. Fragt sich, wie die abgesichert sind. Immobilien besitzt Hertha BSC nicht, die Millionen-Einnahmen aus dem Nike-Vertrag sind nach Informationen des Tagesspiegels zur Sicherung eines 15-Millionen-Kredits der Ufa eingesetzt. Die Champions-League-Einnahmen stehen kaum zu dieser Refinanzierung zur Verfügung. Hertha braucht dieses Geld für Alves und Co. und für die Finanzierung früherer Schulden. Also bleibt ein Deckungsloch. "Der Verein besitzt Transferrechte, das sind ja auch Vermögenswerte", sagt Schiller. Das mag sein, doch nach dem Bosman-Urteil und dem Wegfall der Ablösesummen bei auslaufenden Verträgen sind diese für Banken nicht gerade allersicherste Posten.

Es bleibt also der naheliegende Gedanke, dass die Ufa zumindest für einen Teil der Kredite bürgt. Doch die Hamburger lassen sich ungern in die Karten schauen, deshalb wohl werden auch die Transfersummen nicht genannt, die Mitglieder erhalten also keinen Gesamtüberblick. Gleichzeitig dürfte Hertha BSC noch stärker von den Hamburgern abhängig werden. Und ob die Ufa dann noch mehr Einfluß nimmt, wird sich zeigen. Beim Hamburger SV jedenfalls hat sie gerade heftig damit zu tun, sich gegen solche Vorwürfe zu wehren.

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