Sport : Die beste deutsche Hochspringerin soll Martin Buß beim OSC ersetzen

Ingo Wolff

182 Zentimeter gewachsenes Selbstvertrauen, ausgedrückt durch eine sichere Wortwahl, einen strahlenden Gesichtsausdruck und eine Körperhaltung, die der eines Models gleicht. So stellt sich Amewu Mensah bei ihrem neuen Arbeitgeber, dem Olympischen Sportclub Berlin (OSC), vor. Die 22-jährige Hochspringerin war mit 1,93 m die deutsche Jahresbeste. Sie wird ab Januar 2000 nun wieder für die Stadt starten, in der sie aufgewachsen ist, der sie aber 1997 den Rücken in Richtung Leverkusen gekehrt hatte.

Ursprünglich stammt die lange dunkelhäutige Frau aus der ghanaischen Hauptstadt Accra, kam aber bereits mit zwei Jahren nach Berlin-Wilmersdorf. Dort begann sie beim Berliner Sportclub (BSC) mit der Leichtathletik. Erst als Mehrkämpferin, seit einem siebenten Platz bei den Juniorenweltmeisterschaften 1994 als reine Hochspringerin. Es folgten weitere Juniorentitel, bis sie sich im Winter 1997 einer Operation wegen eines Knorpelschadens und einer Spätfolge eines Autounfalls unterziehen musste. Es folgte ein schwieriges Jahr bei Bayer Leverkusen, zunächst unter Trainer Gerd Osenberg. Erst mit dem Wechsel zu Hans-Jörg Thomaskamp, mit dem sie weiterhin in Leverkusen trainiert, ging es wieder aufwärts.

Es folgte eine grandiose Saison 1999 mit jeweils zweiten Plätzen bei den Junioren-Europameisterschaften und den Deutschen Meisterschaften in Erfurt. Den deutschen Juniorentitel gewann sie souverän und schlug sich bei den Weltmeisterschaften in Sevilla mit einem 13. Platz beachtlich, bedenkt man, dass sie mit einer Bestleistung 1,93 m eigentlich nicht die sportliche Norm erreichen konnte. Eine Ausnahmeregelung für Junioren ermöglichte diese für sie wertvolle internationale Erfahrung.

Der Grund, zurück nach Berlin zu kommen, war ein gut dotierter Ausrüstervertrag mit einer Sportartikelfirma, mit dem sie in Leverkusen Probleme bekommen hätte. "Deshalb habe ich mich zuerst bei den Berliner Vereinen umgeschaut, schließlich komme ich von hier", sagt Mensah, die ihre Ausrüstung nicht nur selbst trägt, sondern auch mitgestaltet. Nach dem Weggang von Martin Buß vom OSC zu Bayer Leverkusen tauschen die deutschen Spitzenspringer sozusagen die Position. Ob sich der Weg für die Chemiestudentin weiterhin nach oben fortsetzen wird, kann sie im olympischen Jahr beweisen. Die Teilnahme in Sydney ist jedenfalls ihr Ziel.

Fortsetzen will sie aber in jedem Fall eine Tradition erfolgreicher OSC-Athleten beim Internationalen Springermeeting, das am 3. März 2000 nach einjähriger Unterbrechung wieder in der Schöneberger Sporthalle stattfinden wird. Um das Budget von 200 000 Mark und damit die begonnene Konsolidierung des Vereins nicht zu belasten, hat sich Amewu Mensah entschlossen, kostenfrei zu starten. Eine Geste, die der in letzter Zeit oft kritisierte Vorsitzende der OSC-Leichathletikabteilung, Rudi Thiel, sicher wohlwollend vernimmt.

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