Die Besten vom Rest : Für Union geht es nur um Platz zwei

Nach dem 0:4 beim 1. FC Köln ist der Frust beim 1. FC Union groß. Es scheint nun nur logisch, die Kölner als den großen Aufstiegsfavoriten auszurufen. Für die Berliner geht es dagegen wohl maximal um Platz zwei.

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Kein Fuß an den Ball. Unions Köhler (l.) kommt nicht in den Zweikampf.
Kein Fuß an den Ball. Unions Köhler (l.) kommt nicht in den Zweikampf.Foto: dpa

Die Nacht auf Dienstag war für Michael Parensen keine erholsame. Immer wieder gingen ihm die Bilder vom Spiel seines 1. FC Union beim 1. FC Köln durch den Kopf. Schon unmittelbar nach Spielschluss hatte Parensen gemutmaßt: „Es wird sicher nicht einfach, Schlaf zu finden.“ Zu groß war die Enttäuschung über die eigene Leistung. Das Spitzenspiel der Zweiten Liga war kein Kräftemessen ebenbürtiger Gegner. Köln überrollte Union beim 4:0.

Eine eindeutige Angelegenheit, die bei allen Beteiligten auf Berliner Seite die gleiche Reaktion hervorrief: Jetzt bloß nicht grundsätzlich werden! Was schon allein deshalb richtig ist, weil Union in dieser Saison viele souveräne Leistungen gezeigt hat und zu Recht so weit oben in der Tabelle steht. „Wir sollten aufgrund des Spiels nicht alles niedermachen“, sagte Parensen. Trainer Uwe Neuhaus fand: „Wir können besser spielen. Ich glaube nicht, dass der Unterschied so groß ist wie es heute aussah. Ansonsten wäre das schlimm.“

Es gab auch andere Meinungen: „Köln hat uns unsere Grenzen aufgezeigt“, sagte Sören Brandy. Und Simon Terodde stellte fest: „Köln ist vielleicht eine andere Liga.“ Das wäre für die Berliner nicht gerade günstig, weil es im Umkehrschluss bedeuten würde: Hinter den Kölnern geht es in diesem Jahr nur um Platz zwei. In den Aussagen schwang eine Portion Trotz mit: Dann werden wir eben die Besten vom Rest. Platz zwei würde ja auch zum Aufstieg reichen.

Nach dem 2:4 gegen Fürth am achten Spieltag verlor Union nun das nächste Spitzenspiel gegen einen direkten Konkurrenten. Dass man trotzdem so gut in der Tabelle dasteht, liegt daran, dass Union sich gegen vermeintlich schwächere Gegner kaum Patzer erlaubte. Eine Qualität, mit der vor allem Fürth und Kaiserslautern nicht aufwarten können.

Nach der Leistung am Montagabend scheint es nur logisch, den 1. FC Köln als den großen Aufstiegsfavoriten auszurufen. Was die Mannschaft des österreicherischen Trainers Peter Stöger in Sachen Pressing und Umschaltspiel zeigte, war tatsächlich erstklassig.

Beim 1. FC Union sah das anders aus. Auffällig war, dass die Stärken der Berliner gegen den bis dahin besten Gegner der Saison überhaupt nicht zum Tragen kamen und auf einmal wie Schwächen anmuteten. Fünf Spiele in Folge war Union ohne Gegentor geblieben, doch gegen die bundesligaerfahrenen Angreifer Patrick Helmes, Marcel Risse oder Slawomir Peszko wirkte eine der besten Defensivreihen der Zweiten Liga schlicht überfordert. Fehlabspiele und unnötige Ballverluste waren in dieser Saison beim 1. FC Union bis dahin kaum zu sehen gewesen. Das flüssige Kombinationsspiel, ein weiterer Trumpf, kam unter dem aggressiven Kölner Pressing zum Erliegen.

Vor allem Unions Mittelfeldspieler wirkten auf einmal fahrig und längst nicht mehr so ballsicher. Diesen Umstand allein am Fehlen von Kapitän Torsten Mattuschka festzumachen, wollte beim 1. FC Union niemand. Darauf angesprochen, sagte Sören Brandy: „Ach, das ist doch Schwachsinn. Ich glaube, mit Tusche wäre es auch nicht anders gelaufen.“ Sah auch Neuhaus so. „Wenn Mattuschka dieses Spiel gewonnen hätte, wäre er für uns längst nicht mehr bezahlbar und würde in der Champions League spielen.“

Am kommenden Sonnabend ist Mattuschka gegen den Karlsruher SC wieder dabei. Auf dieses Spiel richten die Berliner nun ihren Fokus. Das macht schon allein deshalb Sinn, weil Unions Mannschaft mental sehr stabil wirkt. Nach der Niederlage gegen Fürth und dem Verlust der Tabellenführung startete Union sofort eine neue Serie und blieb bis zum Montag ohne Niederlage. Sebastian Stier

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