Sport : Die Bewacher

Koko Archibongs starke Defensive beim 78:61 über Sofia zeigt Alba Berlins neuen Charakter

Benedikt Voigt

Berlin - Als der Abend fortgeschritten ist, beschwert sich Henning Harnisch im Vip-Raum der Max-Schmeling-Halle über die Gepflogenheiten der Medien. Diese melden nach Basketballspielen gerne „Beste Spieler“ und nennen dann nur die Akteure, die am meisten Punkte erzielt haben. „Ob die Spieler gut verteidigt haben oder nicht, wird überhaupt nicht gewertet“, sagt der Teammanager von Alba Berlin. So gesehen muss am Dienstagabend in der Max-Schmeling-Halle bei der Wahl des „Spielers des Tages“ ein wahrer Experte am Werk gewesen sein.

Dieser Experte ignorierte einfach die sehr guten 17 Punkte, 13 Rebounds und 6 Blocks von Sharrod Ford. Auch 17 Punkte und elf Rebounds von Chris Owens konnten ihn nicht gänzlich überzeugen. Stattdessen wählte er einen Spieler, der beim 78:61 (38:30) im Uleb-Cup über Lukoil Academic Sofia in der Offensive nur vier Punkte und null Prozent Trefferquote aus dem Feld aufwies: Koko Archibong. Henning Harnisch kann diese Entscheidung verstehen. „Archibong hat seinen Gegenspieler komplett aus dem Spiel genommen“, lobt der Teammanager. Lediglich neun Punkte brachte der Bulgare Todor Stojkow gegen die unerbittliche Bewachung durch den Nigerianer zustande. „Für mich ist es eine persönliche Herausforderung, die gegnerischen Go-to-Guys auszuschalten“, sagt der zurückhaltende Archibong. Den besten Spieler des Gegners zu stoppen, dafür hat ihn Alba vor dieser Saison auch verpflichtet. „Archibong steht repräsentativ für das, was diese Mannschaft leisten kann“, sagt Harnisch.

So gesehen haben die offiziell 5128 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle erstmals den Charakter der neuen Alba-Mannschaft gesehen. Sie definiert sich über ihre Verteidigung. Unermüdlich zermürbten auch Julius Jenkins und Sharrod Ford ihre Gegenspieler. Dabei spielte der Verteidigungsspezialist Demond Greene nur 13 Minuten, auch weil er schon früh drei Fouls kassiert hatte. „Wir haben in dieser Saison mehrere, die meine Rolle spielen können“, sagt der deutsche Nationalspieler.

Im Gegensatz zur Niederlage in Siena konnten die langen Spieler nun auch offensiv dominieren. Der bulgarische Centerspieler Bojko Mladenow sagt: „Wir haben das Video von Siena gesehen und uns danach auf William Avery und Julius Jenkins konzentriert.“ Ein Fehler, weshalb man die schwache Darbietung der Berliner Center im ersten Uleb-Cup-Spiel als gelungenes Täuschungsmanöver ansehen könnte – wenn der Klub nicht dringend jeden Sieg im Uleb-Cup brauchen würde.

Nach dem zweiten Spieltag weisen alle sechs Teams einen Sieg und eine Niederlage auf. Albas nächster Gegner Ostende schlug das favorisierte Khimky Moskau. „Das wird in der nächsten Woche spannend“, sagt Archibong, „Ostendes starker Angriff gegen unsere Verteidigung.“ Ein Auswärtssieg wäre nun der nächste wichtige Schritt, betont Harnisch. Er hatte für alle Spieler Lob übrig, nur den Wahl-Experten wollte er nicht auch noch hervorheben. Aus naheliegendem Grund. „Ich weiß nicht, ob man das öffentlich sagen darf“, erzählt Harnisch, „aber den Spieler des Tages wähle immer ich.“

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