Sport : Die Botschaft hat gefehlt

Hellmut Krug

Im Spiel Portugal gegen Holland zeigte Schiedsrichter Iwanow aus Russland viermal Gelb-Rot, allerdings erst, nachdem er einen Tritt von Boulahrouz an dem Portugiesen Cristiano Ronaldo nur mit Gelb bestraft hatte und das Spiel danach sehr ruppig wurde. Wie verhindert man, dass eine Partie derart eskaliert, Herr Krug?

Die frühe Schlüsselszene des Spiels war meines Erachtens die Gelbe Karte nach dem Foul an Cristiano Ronaldo. Für diesen Tritt hätte Boulahrouz zwingend Rot sehen müssen. Mit diesem Feldverweis hätte der Schiedsrichter ein deutliches Signal gesetzt und damit möglicherweise weitere rustikale Fouls und Unsportlichkeiten verhindert. Dann wäre es wahrscheinlich auch nicht mehr zu dieser Kartenflut gekommen. Stattdessen hat der Schiedsrichter es versäumt, rechtzeitig allen Beteiligten klar zu machen, wo die Grenzen zwischen körperbetontem Fußball und Foulspiel liegen. Diese Botschaft hat leider im gesamten Spiel gefehlt. So auch in zwei anderen Szenen, in denen der Schiedsrichter nicht hart genug durchgegriffen hat: Zum einen hätte der Portugiese Costinha, der letztlich wegen Handspiels Gelb-Rot sah, schon zuvor nach einem Foul in der 39. Minute vom Platz gestellt werden müssen. Und der Portugiese Deco, der später Gelb-Rot sah, weil er den Ball nicht freigegeben hatte, hätte nach seinem Foul in der 73. Minute ebenfalls direkt vom Platz gestellt werden können; Deco hatte seinen Gegner von hinten attackiert, ohne Chance, den Ball spielen zu können. Aber er erhielt nur Gelb. In diesen Fällen haben die Gelben Karten einfach nicht mehr ausgereicht. Und angesichts der über die Spieler hereinbrechenden Kartenflut verliert die Gelbe Karte nicht nur ihre abschreckende Wirkung, sondern den Spielern ist auch bis zum Schluss nicht nachhaltig klar gemacht worden: „Bis hierhin und nicht weiter!“

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben