Sport : Die brasilianische Wende

Real Madrid verpflichtet Robinho für fünf Jahre

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Madrid Die Nachricht traf bereits zum vierten oder fünften Mal bei den Zeitungen ein: Real Madrid hat sich mit dem brasilianischen Klub FC Santos auf einen Wechsel des Nationalspielers Robinho geeinigt. Diesmal scheint sie sogar zu stimmen, denn Real konnte gestern die Modalitäten des Wechsels mitteilen. Der 21-jährige Brasilianer erhält einen Fünfjahresvertrag und wird am 25. August offiziell als Spieler Reals vorgestellt.

Alle Differenzen mit Robinhos bisherigem Klub FC Santos seien ausgeräumt, teilte Real mit. Die exakte Ablösesumme wollte der Klub nicht nennen. Real Madrid hatte Anfang des Monats beim FC Santos 24,8 Millionen Euro hinterlegt. Dies entsprach 60 Prozent der vertraglich festgesetzten Ablösesumme. Der FC Santos verlangte jedoch den Gesamtbetrag von 41,8 Millionen Euro. Der brasilianische Fußball-Verband hatte sich auf die Seite des FC Santos gestellt und Real mitgeteilt, dass er Robinhos Spielerpass nicht nach Spanien schicken werde. Um seinen Verein unter Druck zu setzen, verweigerte Robinho nach seiner Rückkehr vom Confed-Cup in Deutschland die Teilnahme am Training. „Der Spieler hat bewiesen, dass er fest entschlossen ist, für Real zu spielen“, heißt es in einer Mitteilung Reals. Nun haben sich beide Klubs offenbar geeinigt.

Damit spielen bei den Madrilenen künftig vier Brasilianer: Ronaldo, Roberto Carlos, Baptista und Robinho. Das macht insofern Sinn, als der Trainer Vanderlei Luxemburgo ebenfalls Brasilianer ist. Real Madrids Präsident Florentino Perez setzt mit ihnen auf bessere Zeiten.

Dass die aktuellen nicht gut sind, hat Real, das seit 2003 keinen Titel erringen konnte, erneut auf seiner Asienreise bewiesen. Da verlor die Mannschaft, die als die beste der Welt gelten will, gegen den Vorletzten der japanischen Liga Tokio Verdy mit 0:3. Was den Marketingfreund Perez ebenfalls erschreckt haben dürfte: Sein Klub vermochte es noch nicht einmal in Asien, die Stadien zu füllen. Chinesische Zeitungen verglichen Reals Stars nach deren lustlosem Auftreten mit einem gefräßigen Heuschreckenschwarm.

Tatsächlich traten bei der jüngsten Welt-Tournee neben einigen Nachwuchsleuten lediglich zwei Spieler positiv in Erscheinung. Diese passen jedoch nicht in Trainer Luxemburgs schlichtes Konzept und sollen daher schnellstmöglich verabschiedet werden: Luis Figo und Guti. Letzterer bot sich dem FC Arsenal an, erhielt aber vom dortigen Manager Arsène Wenger eine Absage. Um Figo buhlen unter anderem Inter Mailand, FC Liverpool und FC Valencia. Doch kein Klub will ihm bisher die sechs Millionen Euro Jahresgage zahlen, die ihm in Madrid bis Juni 2006 sicher sind. Egal, ob er zum Einsatz kommt oder nicht.

Figos möglicher Weggang läutet das Ende einer Ära ein. Mit dem Versprechen, ihn vom FC Barcelona abzuwerben, hatte Perez im Sommer 2000 die Präsidentenwahl in Madrid gewonnen. Damals war Figo als Glanzpunkt in eine funktionierende Elf eingefügt worden. Später folgten der Franzose Zinedine Zidane und Ronaldo. Als im Sommer 2003 auch noch der Engländer David Beckham geholt wurde, fiel dieser Transfer mit dem Hinauswurf des Erfolgstrainers Vicente del Bosque zusammen. Von da an ging es stetig bergab. Mit Robinho startet Real Madrid nun den Versuch, diesen Trend wieder umzukehren. irn/dpa

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