Sport : Die Bullen von Leipzig

Der Getränkehersteller Red Bull will Viertligist FC Sachsen nach oben bringen

Karsten Doneck

Berlin - Die VfG Versandapotheke ist dabei, Boltze Haustechnik ebenfalls. Sponsoren, die mit kleineren Geldgaben dazu beitragen, dass der FC Sachsen Leipzig wenigstens noch viertklassig Fußball spielt. Der Traditionsklub ist hoch verschuldet, die genaue Summe weiß niemand so richtig. Dennoch will der Verein hoch hinaus. Mit dem geplanten Einstieg des Energy- Drink-Herstellers Red Bull soll der Aufbruch in die Bundesliga eingeleitet werden. Mit rund 50 Millionen Euro will Red Bull den Klub aufpäppeln. Und dabei in einem Abwasch auch gleich das Zentralstadion Leipzig von Stadionbetreiber Michael Kölmel mieten. „Es gab bis jetzt nur informelle, unverbindliche Gespräche, wie es in Fußballkreisen üblich ist – nichts Konkretes“, teilt Claudia Memminger aus der Pressestelle von Red Bull auf Anfrage mit. Sie gibt lediglich zu: „Wir führen sehr viele Gespräche, darunter zuletzt auch mit dem FC Sachsen.“

Derlei vornehme Zurückhaltung mag zur Firmenphilosophie bei Red Bull zählen. Den wirklichen Stand der Verhandlungen verschleiern solche Aussagen eher. So berichtete in dieser Woche die „Leipziger Volkszeitung“ darüber, dass der Anwalt Christoph Schickhardt im Auftrag von Red Bull bereits an einem umfangreichen Vertragswerk arbeite. Und Sachsen Leipzigs Vorsitzender Rolf Heller, früher auch mal Chef bei Eintracht Frankfurt, wird gar zitiert: „Nur noch Feinjustierungen sind notwendig.“

Schon seit Anfang des Monats befinden sich die Gespräche in der heißen Phase. Am 4. Dezember hielten sich Vertreter von Red Bull zu Verhandlungen in Leipzig auf, auch Oberbürgermeister Burkhard Jung wurde hinzugezogen. Jung registrierte ein, wie er sagte, „sehr ernsthaftes Interesse“ bei den Abgesandten der Firma, es seien „sehr konstruktive und angenehme Gespräche“ gewesen. In der Folge fanden eine Reihe weiterer so genannter Arbeitsgespräche statt, sowohl mit den Stadionbetreibern als auch mit dem Verein Sachsen Leipzig.

Der mächtige Mann bei Red Bull ist Dietrich Mateschitz, ein Milliardär aus Österreich. Der 62-Jährige hat mit seinem Geld nicht nur den traditionsreichen Fußballklub Austria Salzburg in Red Bull Salzburg verwandelt, sondern ihm auch durch die Verpflichtung der Trainer Giovanni Trapattoni und Lothar Matthäus erhöhte Aufmerksamkeit verschafft. Unter dem Namen und den Farben der Getränkedose firmieren derzeit außerdem noch zwei Formel-1-Rennställe, der früher als Metrostars bekannte New Yorker Fußballverein sowie in Salzburg auch noch Österreichs aktuell beste Eishockeymannschaft.

Die Übernahme von Sachsen Leipzig birgt freilich Probleme. „Wir müssten den Profibereich ausgliedern“, sagt Rolf Heller. Die Regularien in Deutschland sehen vor, dass der Hauptverein zwingend mindestens 50,1 Prozent der Stimmrechte halten muss, um einen mehrheitlichen Fremdeinfluss zu verhindern. Red Bull strebt aber angesichts des geplanten Investitionsvolumens verständlicherweise eine eigene Mehrheit an.

Red Bull bemüht sich außerdem, im Gegenzug für den angedachten finanziellen Einsatz in Leipzig seinen Firmennamen möglichst werbewirksam zu platzieren. Es geht konkret um eine Umbennung des Zentralstadions, und der Name Red Bull soll auch in den Vereinsnamen von Sachsen Leipzig Eingang finden. Zumindest Letzteres stößt auf Schwierigkeiten. Schon Mitte der Siebzigerjahre hatte der Kräuterlikörhersteller Jägermeister versucht, Eintracht Braunschweig umzubenennen. Den folgenden Dauerstreit mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) verlor man, und die damaligen Richtlinien sind bisher nicht reformiert worden. Wahrscheinlich ist daher ein Kompromiss, der RB Sachsen Leipzig lauten könnte. Spätestens 2011 soll er in der Bundesliga spielen.

Doch einstweilen ist der FC Sachsen, bei dem der frühere Cottbuser Eduard Geyer als Trainer und sportlicher Leiter wirkt, in der vierten Liga zu Hause und liegt dort als Sechster neun Punkte hinter Spitzenreiter Energie Cottbus II. Das 45 000 Zuschauer fassende Leipziger WM-Stadion scheint für den Klub noch um einige Sitzplätze zu groß – zum Heimspiel gegen Germania Halberstadt (3:2) kamen 2488 Zuschauer. Die bevorstehende Umwälzung findet bei den Fans nicht nur Zuspruch. Im Fanforum des Vereins wird die Spaltung der Anhängerschaft deutlich. Während die einen Red Bulls Einstieg als einzige Möglichkeit sehen, den klammen Verein zu retten, sehen die anderen ihn als das Ende des Klubs. Ein „Joerg2“ schreibt im Forum: „Kölmel hat sich darauf beschränkt, den Verein auszusaugen und war damit ein Parasit. RB schafft sie ab und frisst den Kadaver.“ Ein herzlicher Empfang sieht anders aus.

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