Sport : „Die Bundeswehr sichert U-Bahnhöfe“

Bayerns Innenminister Beckstein über den WM-Einsatz von Soldaten

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Herr Beckstein, wird Deutschland FußballWeltmeister?

Das wird schwer. Andere Länder haben zu uns aufgeschlossen, sogar die Slowaken spielen offensichtlich besser als wir. Gerade nach den Leistungen in Rotterdam und Bratislava musste man um unsere Mannschaft schon in der Vorrunde bangen. Das Team wird sich bei der WM hoffentlich anders präsentieren, gegen Südafrika wurde ein Anfang gemacht. Ein Ausscheiden wäre für die WM im eigenen Land jedenfalls eine Katastrophe.

Schlimmer wäre Randale von Hooligans.

Auch da hat uns das Spiel in der Slowakei gezeigt, dass noch einiges zu verbessern ist, vor allem in der internationalen Abstimmung. Zwischen Bund und Ländern haben wir ein strenges Sicherheitskonzept für die WM erarbeitet, das Hooligans von den Stadien fernhalten soll. Durch personengebundene Tickets, zwei Sicherheitsringe um die Arenen und eine komplette Videoüberwachung fürchte ich für die Spielstätten keine Probleme.

Von ein paar Flitzern abgesehen…

Viele haben darüber beim Confed-Cup gelacht, aber ich finde es gar nicht lustig, wenn einfach Zuschauer auf das Spielfeld stürmen. Ich habe vorgeschlagen, zunächst 100 Polizisten in Zivil um die Rasenflächen zu postieren. Mit dem Deutschen Fußball-Bund war das schon abgesprochen, aber der Fußball-Weltverband Fifa fürchtete ein zu martialisches Erscheinungsbild. Ich bin gespannt, wie die Fifa das Problem bei der WM lösen wird.

Müssen nicht auch die Grenzkontrollen verstärkt werden?

Die Zusammenarbeit etwa mit den Behörden in Österreich klappt gut. Wir können nicht jedes Auto kontrollieren, dann hätten wir Staus von der Grenze bis zum Stadion. In Richtung Tschechien und Polen müssen die Kontrollen aber dichter werden. Ob wir das Schengener Abkommen über die Reisefreiheit aussetzen, um etwa an der Grenze zu den Niederlanden stärker zu kontrollieren, wird erst kurz vor der WM entschieden.

Wie sollen die Innenstädte sicher werden?

Wir haben natürlich ein Problem bei den Großbildleinwänden, weil wir da nicht jeden Besucher kontrollieren können. Hier sind die Länder gefragt. In Bayern laufen konkrete Vorbereitungen. Für Public-Viewing-Bereiche mit 10 000 Besuchern planen wir den Einsatz starker Polizeikräfte. Das können auch mehrere Hundert sein – teilweise uniformiert zum Zweck der Abschreckung, aber auch in Zivil, um in Notsituationen schnell eingreifen zu können.

In Notsituationen wollen Sie ja sogar die Bundeswehr einsetzen.

Ich verstehe gar nicht, warum sich einige so darüber aufregen. Wenn es eine Gefahrenlage gibt, müssen alle Sicherheitskräfte eingesetzt werden. Auch bei der Suche nach ABC-Waffen können unsere Soldaten helfen. Bei den Olympischen Spielen in Athen hat die Nato den Schutz des Luftraums übernommen. Soll unsere Polizei etwa mit einem Feldstecher die Radarüberwachung ersetzen?

Bundesinnenminister Otto Schily sagt, die Polizei solle nicht zum Hilfspolizisten gemacht werden, nur weil Herr Beckstein die Mittel für seine Länderpolizei streiche.

Das ist dummes Gerede, das seiner sonstigen Qualitäten nicht würdig ist. Wir werden in Bayern im kommenden Sommer die höchste Anzahl an Polizisten erreicht haben, obwohl die Haushaltslage auch bei uns schwierig ist. Aber es geht nicht, dass wir jetzt Tausende Polizisten auf Lebenszeit einstellen, nur damit wir zur WM genug Kräfte haben. Das ist ein Jahrhundertereignis. Da müssen Flughäfen, Bahnhöfe und U-Bahnhöfe gesichert werden. Dafür müssen wir auf die Kapazitäten der Bundeswehr zurückgreifen.

Reden Sie damit nicht einer Militarisierung des öffentlichen Raumes das Wort?

Das sind ideologische Vorurteile von Rot- Grün. Solche Debatten führen etwa dazu, dass ein Bundesland gerade Einrichtungen für den Transport von Verletzten kauft, die 20 Jahre nicht mehr genutzt werden. Wir wollen ja keine Panzer vor die Stadien stellen. Aber warum sollen Soldaten nicht Flughäfen schützen? Ich bin auch dafür, die Kommunikationskanäle der Bundeswehr zu nutzen. Bei der EM 1996 in England sind die Kommunikationswege zusammengebrochen, das müssen wir verhindern. Dafür sorgen wir nach einer gewonnenen Bundestagswahl.

Würden Sie Otto Schily einen Ehrenplatz im Stadion freihalten, falls er nicht mehr Innenminister ist?

Otto Schily hat für die WM viel Vorbereitungsarbeit geleistet, auch wenn sich sein Stil dadurch auszeichnet, dass er vor allem Befehle gibt. Trotzdem ist es selbstverständlich, dass er einen besonderen Platz im Stadion bekommt.

Das Gespräch führte Robert Ide.

Günther Beckstein, 61, ist seit zwölf Jahren Innenminister von Bayern. Der CSU-Politiker ist im Wahlkampfteam von Oppositionschefin Angela Merkel für die Innere Sicherheit zuständig.

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