Sport : Die Capitals sehen sich in keiner Krise

THOMAS ZELLMER

BERLIN .Die Luft wird dünner, der Druck verstärkt sich - "wenn die Mannschaft auch die beiden nächsten Spiele verliert, könnte auch die Person des Trainers zur Disposition stehen", hieß es aus dem erweiterten Kreis der Capitals-Führung nach der fünften Saison-Niederlage in der Deutschen Eishockey-Liga am Sonntag in Kassel.Neutrale Beobachter sprachen nach dem 2:4 in Kassel von einer Art "Arbeitsverweigerung" der Capitals-Spieler im ersten Drittel, und dabei habe es doch am Tag vor der Partie gegen die Huskies eine "Krisensitzung" der Berliner gegeben.Alles ganz falsch.Roger Wittmann, vom Capitals-Hauptsponsor und Aufsichtsrat Egon Banghard als Generalbevollmächtigter eingesetzt, verweist alles Krisengerede in den Bereich der Utopie."Wir sind einen Tag früher nach Kassel gereist, um uns noch intensiver vorbereiten zu können.Natürlich haben wir vor dem Spiel miteinander gesprochen, daß wir noch enger zusammenrücken, noch härter arbeiten müssen.Aber das ist doch das Natürlichste auf der Welt.Die Mannschaft ist charakterlich o.k., man kann doch nicht von Arbeitsverweigerung sprechen, wenn man durch unglücklich gefallene Gegentore auf die Verliererbahn gerät.Und weshalb haben die vermeintlichen Arbeitsverweigerer dann eine Aufholjagd gestartet?", fragt Wittmann.

Außerdem stellt der Capitals-Generalbevollmächtigte klar, daß die Position des neuen kanadischen Trainers Dale McCourt auch dann nicht ins Wanken gerät, sollten die nächsten Partien verloren gehen."Wir haben gerade einmal sechs von insgesamt 52 Saisonspielen absolviert.McCourt hatte 17 neue Spieler einzubauen, da muß ihm doch Zeit gelassen werden, in Ruhe arbeiten zu dürfen." Der von Banghard senior zum Aufbau einer neuen Basis als befristeter "Feuerwehrmann" eingesetzte Wittmann hat den Termin seines Drei-Monate-Jobs in Berlin längst überschritten."Ich bleibe noch.Denn ich bin der schlechteste Verlierer, den man sich vorstellen kann.Erst wenn es bei den Capitals richtig rund läuft, wir neue Sponsoren gewonnen haben und in unserer Eishalle wieder prächtige Stimmung herrscht, ist meine Mission hier beendet.Aber eines dabei ist auch gewiß: Ich bin kein Zauberer." Natürlich ist auch Dale McCourt kein Zauberer, selbst wenn zum Saisonbeginn dem 41jährigen Kanadier aus der Capitals-Führungsetage offenbar derart magische Kräfte zugetraut wurden."Wir sind schon jetzt ein Team, in dem alles bestens zusammenpaßt", hörte man manches Mal nach dem Trainingslager in Finnland.

Stefan Metz, der frühere Freund und frühere Berliner Arbeitskollege des Capitals-Managers/Geschäftsführers Peter Ustorf, schätzt die neue personelle Zusammensetzung der Capitals ganz anders ein."Vom Talent her würde ich die neuen Capitals-Spieler durchweg über unseren einstufen.Aber ich habe den Eindruck, die sind nicht mit der Seele dabei, sondern kommen nur mal, um für ein Dreivierteljahr abzukassieren," sagt der neue Manager der Kassel Huskies.Was Peter Ustorf zu dieser Wertung seines Ex-Spezis über die von ihm auserwählten neuen Capitals sagte, ist nicht bekannt.Aber man kann es sich bildhaft vorstellen.

Also, Ruhe heißt die erste Bürgerpflicht bei den Capitals."Noch mehr arbeiten.Noch besser lernen, uns zu kontrollieren.Nicht soviel Strafzeiten.Wenn das alles gelingt, wird es bei uns aufwärts gehen", predigt McCourt.Am Freitag hat der Capitals-Trainer mit seinem Team gegen den Deutschen Meister Adler Mannheim anzutreten.Nur die nächste von vielen Proben auf einem weiten Weg mit einem ungewissen Ziel.

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