Sport : Die Champions League ist bald im Pay-TV und bei RTL zu sehen

Joachim Huber

Dem Fußball-Fan droht neues Ungemach. Kaum hat er den Austragungsmodus der Champions League auf dem Rasen so einigermaßen verstanden, kommen auf den Wettbewerb im Fernsehen neue Regeln zu. Verantwortlich ist Rupert Murdoch. Der Besitzer der Fernsehrechte wird, wenn seine Pläne reifen, dem Sender tm3 die Champions League entziehen. Eigentlich wollte Murdoch mit europäischem Spitzenfußball tm3, an dem er maßgeblich beteiligt ist, groß machen. Der Fußball-Fan nahm es hin, sah am Dienstag und am Mittwoch Champions League.

Die Quoten bei tm3 sind niedrig, zu niedrig, um Murdochs Kaufpreis von 850 Millionen für drei TV-Saisons zu finanzieren. Da verliert Murdoch Spieltag für Spieltag Geld, richtiges Geld. Dann riss sich der Mogul noch ein weiteres Loch in die Kasse, als er sich bei Leo Kirchs Pay-TV-Sender PremiereWorld engagierte. Jetzt soll die Champions League dem Fass einen Boden einziehen. Für einen Spieltag sollen die TV-Rechte an RTL verkauft, für den zweiten Spieltag in der Woche bei PremiereWorld genutzt werden. PremiereWorld bedeutet Abonnement-Fernsehen. Das wird teuer für den Fußball-Fan. Sein Verein, so er sich für die Champions-Saison 2000/2001 qualifizieren wird, spielt mal am Dienstag, mal am Mittwoch, mal im Free-TV von RTL, mal im Abo-Fernsehen von PremiereWorld. Aber ein wahrer Fan, des Fußballs und ganz besonders eines Fußballklubs, ist ein Suchtmensch. Zu befriedigen nur über unablässigen Nachschub. Ärgern über das teure TV-Eintrittsgeld hilft nicht. Auch der Fußball-Fan weiß, dass sein Klub auf europäischer Ebene nur mithalten kann, wenn er an der Champions League beteiligt ist und damit an den Abermillionen Fernsehgeldern partizipiert.

Hertha BSC hat gerade für 14,5 Millionen Mark den Stürmer Alves eingekauft. Der soll Tore schießen und den Fan jubeln lassen. Kommt die Hertha wieder in die Champions League, muss der Fan RTL schauen und PremiereWorld abonnieren. Dann ist wieder Geld für einen Brasilianer da, der Tore ... Spielt der Fan nicht mit, ist seine Suchtbefriedigung gefährdet. Das wissen Hertha BSC und Rupert Murdoch und liefern ihre Ware weiter - zu abermals erhöhten Preisen.

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