Sport : Die Chance des Außenseiters Eindhoven träumt vom Champions-League-Sieg

Andreas Morbach[Eindhoven]

Bis vor einem Jahr war Rob Westerhof als Geschäftsführer bei Philips in den USA und Kanada tätig. Der Elektronik-Konzern ist Hauptsponsor des PSV Eindhoven, so dass der Weg für Westerhof nicht ganz so weit war zum Präsidenten des Klubs, der 17-mal niederländischer Meister war. Sein Job ist die Erschließung neuer Geldquellen. Fünf Millionen Euro Verlust hat Hollands aktueller Vorzeigeklub im letzten Jahr gemacht, im Jahr davor ein Minus von 15 Millionen Euro.

Geld muss also her, und die Voraussetzungen zum Verdienen sind bestens: Eindhoven führt in der nationalen Meisterschaft mit zehn Punkten Vorsprung vor Alkmaar (ein Spiel weniger) und gilt in der Champions League als die große Überraschung. Im Viertelfinalhinspiel schaffte der PSV am Dienstag ein 1:1 bei Olympique Lyon. Phillip Cocu, der aus Barcelona heimgekehrte Nationalspieler, schoss elf Minuten vor Schluss das Ausgleichstor, das die Holländer schon mal vom Halbfinale träumen lässt. Und sogar noch mehr: „Die Mannschaft weiß, dass sie etwas Einmaliges erreichen kann“, sagt Westerhof. Einmalig – damit meint er nichts anderes als den Champions-League-Sieg. „Es muss passieren, es kann passieren“, sagt Westerhof. „Der FC Porto hat uns im letzten Jahr vorgemacht, was ein Außenseiter alles schaffen kann.“

Geradezu eine Selbstverständlichkeit ist unter einem Manager wie Westerhof die verstärkte Präsenz auf dem asiatischen Markt. Schließlich ist PSV-Coach Guus Hiddink in Südkorea eine nationale Ikone, seit er den WM-Gastgeber vor drei Jahren ins Halbfinale geführt hat. Die zwei Koreaner, die er nach der WM mit nach Eindhoven gebracht hat, sind immer noch da. Hiddink aber ist vielleicht schon bald wieder weg. Er hat in Eindhoven zwar einen Vertrag bis 2007. Aber darin steht auch, dass er, sofern es Interessenten gibt, im nächsten Frühjahr wieder einen WM-Teilnehmer für die Endrunde in Deutschland trimmen darf. Der Verein kam dem Wunsch des Trainers nach, und er hat Hiddink zusätzlich noch zum Sportdirektor gemacht. „Er ist eine so spezielle Klasse“, sagt Vereinschef Westerhof. „Wen bitte sollen wir zum Boss von Guus Hiddink machen?“

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