Sport : Die Chance zur Revanche

Nach zuletzt schlechten Erfahrungen treffen die Bayern in der Champions League erneut auf Juventus Turin

Daniel Pontzen[München]

Felix Magath rührte missmutig in seinem Tee. Er hasst es zu verlieren, und gerade hatte der Trainer eine schmerzhafte Niederlage erlitten. Sein Team, der FC Bayern München, hatte in der Champions League Minuten zuvor im Olympiastadion 0:1 gegen Juventus Turin verloren. Das Tor fiel in der letzten Spielminute, Bayern kam als Gruppenzweiter trotzdem noch in die nächste Runde. Nun bekommt Magaths Mannschaft die Chance, sich für diese Niederlage vom 19. Oktober 2004 zu revanchieren. Denn in der Vorrunde der Champions League kommt es erneut zum Duell des Deutschen Meisters mit dem italienischen Champion. Das ergab die Auslosung der Champions-LeagueGruppen gestern in Monaco. Zudem treffen die Münchner auf den FC Brügge und Rapid Wien.

„Wenn der FC Bayern konzentriert seine Qualitäten ausspielt, sollte das Erreichen des Achtelfinales möglich sein“, sagte Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge. „Juventus hätte es ja nun nicht unbedingt sein müssen“, maulte Magath.

Interessante Reisen stehen den Münchnern bevor bei ihrer nächsten Europa-Expedition, die sie am Ende vor die Tore von Paris führen soll. Am 17. Mai 2006 findet in St. Denis das Finale statt, und nach Vorstellung der Bayern wäre es an der Zeit, sich hierfür – fünf Jahre nach dem Triumph von Mailand – wieder mal zu qualifizieren. Der nationalen Konkurrenz, das haben die Eindrücke der noch jungen Saison gezeigt, droht eine neuerliche Münchner Triumph-Tournee. Doch wo steht das Premiumprodukt des deutschen Fußballs im Vergleich mit Chelsea, Madrid und Mailand?

Im Kampf gegen die zum Teil mit allerlei fragwürdigen Mitteln aufgepeppten Muskelprotze aus England, Spanien und Italien mögen sich die Münchner vorkommen wie jemand, der tapfer seine Klimmzüge macht, um beim anschließenden Kräftemessen irgendwie mitzuhalten – zumal angesichts der Transfergeschäfte des Sommers: Chelsea erhöhte so lange sein Gebot für Michael Essien, bis der sich weigerte, weiter für Lyon zu spielen und für 38 Millionen Euro seine Freigabe erhielt. Inter Mailand angelte sich Luis Figo und Walter Samuel von Real Madrid, das sich zur Entschädigung Robinho erlaubte. Milan schmückt sich neuerdings mit Christian Vieri und Alberto Gilardino. Allein letzterer kostete 24 Millionen Euro.

Das Aufrüsten der Bayern fiel vergleichsweise bescheiden aus. Dennoch sagt Magath: „Wir haben uns qualitativ verbessert.“ Innenverteidiger Valerien Ismael etwa unterscheide sich von Vorgänger Robert Kovac „durch seine Offensivqualitäten, seine Kopfballstärke und Schusskraft, womit er sicher das eine oder andere Tor für uns machen wird“. Vielleicht ja sogar gegen Robert Kovac – der Kroate wechselte zu Gegner Juve. Dort heuerte auch Patrick Viera von Arsenal London an.

Und die anderen Neuen bei Bayern? Von Ali Karimi erhofft sich Magath, dass er in ausgeglichenen Spielen mit einem genialen Moment den Unterschied ausmachen kann. Von den Fähigkeiten des noch verletzten Philipp Lahm ist der Trainer überzeugt, seitdem er ihn in Stuttgart zum Nationalspieler formte.

Dass sich die Qualität der Mannschaft gegenüber dem Vorjahr erhöht hat, liegt aber mehr noch als an den Neuerwerbungen an einem kostenlosen Beistand: dem Faktor Zeit. Der Paradigmenwechsel, der im Vorjahr mit dem Abschied Ottmar Hitzfelds einherging, hatte zu Reibungsproblemen geführt. Erst der Erfolg zum Saisonende überzeugte die Belegschaft von Magaths unbequemen Methoden. Nicht nur der Double-Gewinn sprach für den neuen Trainer, sondern vor allem „der prächtige Fußball“ (Magath), den die Bayern am Ende zelebrierten. In den letzten neun Bundesliga-Spielen der Vorsaison gab es neun Siege mit 29 Toren. Die Serie dauert an.

Als weiterer Vorteil könnte sich die neue Spielstätte entpuppen. Gerade an unwirtlichen Vorrunden-Abenden fror die Stimmung im Olympiastadion regelmäßig ein – das „echte Arena-Feeling“, von dem Uli Hoeneß kürzlich schwärmte, könnte noch einige zusätzliche Kräfte freisetzen. Vielleicht gilt das schon für die Vorrunde. Die Spiele gegen Rapid Wien etwa „werden dem alten bayerisch-österreichischen Bruderkampf neuen Zündstoff geben“, verkündete Rummenigge in martialischer Vorfreude. Magath denkt schon weiter. Ins Halbfinale könne es seine Elf allemal schaffen, sagte er Anfang der Woche.

Magath wurmt das Champions-League-Aus gegen Chelsea in der vorigen Saison noch immer mächtig. Unlängst hat er mal gesagt: „Wenn ich hier in München so effizient wie zuvor in meinem ersten Jahr in Nürnberg oder Frankfurt gearbeitet hätte, wären wir Europacupsieger geworden.“ Es klang nicht so, als plane er, sich eine zweite Saison unter seinem Niveau zu genehmigen.

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