Sport : Die Chinesen Europas

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Was es bedeutet, bei einer Tischtennis-EM nach der nächsten die Titel abzuräumen, hat der neue und alte Europameister Timo Boll treffend formuliert: „Wir sind die Chinesen Europas.“ Darüber kann er sich mit seinen Mannschaftskollegen erst einmal ausgiebig freuen: Drei von vier Halbfinalteilnehmern bei dieser EM in Ostrau kamen aus Deutschland, und Boll gewann sowohl die Titel im Einzel, im Doppel mit Christian Süß und mit der Mannschaft. Chinese zu sein – besser geht es nicht im Tischtennis. Doch die Chinesen Europas zu sein, klingt zugleich bedrohlich. Denn es bedeutet auch: Laaaangeweile.

Die Europameisterschaft verliert immer mehr an Wert, wenn der Ausgang so leicht vorherzusagen ist. Zumal sie inzwischen jährlich stattfindet und in Ostrau offenbar ziemlich lieblos organisiert war. Die anderen Nationen in Europa können nicht mehr Schritt halten mit den Deutschen. „Es ist für mich nicht mehr einfacher, Deutscher Meister als Europameister zu werden“, sagt Boll.

Die Deutschen dürfen sich daher nicht allein auf ihr größtes Ziel konzentrieren, den Chinesen Paroli zu bieten. Sie müssen auch handeln wie Chinesen. Die laden Spieler aus anderen Nationen inzwischen ein und schicken ihre Trainer um die Welt, um ihren eigenen Vorsprung im Tischtennis nicht zu groß werden zu lassen. Damit haben die Deutschen auch schon angefangen und einige kontinentale Trainingslager organisiert. Das müssen sie jetzt noch ausbauen. Denn die Chinesen dauerhaft herausfordern zu können, kann nur eine europäische Gemeinschaftsaufgabe sein.

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