Die DEL zurück im Free-TV : Strittige Neuerungen für Eishockey-Zuschauer

Nach 18 Jahren ist die Deutsche Eishockey-Liga wieder im frei empfangbaren Fernsehen zu sehen, doch die Neuerungen des übertragenen Senders gefallen nicht jedem.

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Es gibt was auf die Ohren. Künftig wird Eisbär Jimmy Sharrow (r.) abgehört.
Es gibt was auf die Ohren. Künftig wird Eisbär Jimmy Sharrow (r.) abgehört.Foto: dpa

Es ist mal amüsant, häufiger peinlich und oft belanglos. Da beschimpft ein Spieler die Schiedsrichter als „Streifenhörnchen“, ein anderer spricht von „Arschlöchern“, und ein nordamerikanischer Profi stört sich an der Musik im österreichischen Eisstadion: „What kind of fuckin’ music is this? This shit sucks!“ Und wenn es gar zu derb wird, überpiepst die Fernsehregie das Gefluche. Die „Cable Guys“ sind im österreichischen Eishockey schon eine Weile unterwegs, Fernsehzuschauer der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) können ab Freitag nächster Woche hören, was die Sender tragenden Profis im Spiel zu fluchen haben, ab dann überträgt „Servus TV“ live aus der Liga.

Die „Cable Guys“ sind nur ein Gimmick, das der Privatsender aus Wals-Himmelreich bei Salzburg bei seinem Engagement in der DEL ins Quotenrennen wirft. Neben zwei Liveübertragungen pro Woche (freitags meist im Internet unter www.laola1.tv) gibt es am Freitag und Sonntag auch noch Sendungen mit einstündigen Zusammenfassungen aller Spiele. Es wird sich viel ändern, bei den Live-Übertragungen, die nach 18 Jahren nicht mehr im Pay-TV, sondern im frei empfangbar sind. In jedem Drittel gibt es ein so genanntes „Power Break“.

Das heißt für den Fernsehzuschauer Werbepause und für den Fan im Stadion Langeweile. 90 Sekunden sind lang, aber zu kurz, um sich zum Getränkestand durchzuschlagen. Servus-TV-Senderchef Martin Blank verkauft alles marktschreierisch als Innovation. Auf Servus TV bekomme das Eishockeyschauen eine neue Dimension. Alles sei verkabelt. Banden, Spielerbänke, Schiedsrichter, Umkleidekabinen – und eben ein Spieler pro Team. Ein massiver Lauschangriff, visuell unterstützt von 14 Kameras im Stadion „Näher dran kommt man nicht mehr“, jubelt Blank.

Durch den banalen Sendernamen sollte man sich nicht täuschen lassen: Servus TV gehört zum Imperium des Getränkeherstellers Red Bull. Der Sender von Marketingstratege Dietrich Mateschitz existiert in Österreich seit knapp drei Jahren und hat sich für den deutschen Markt gut aufgestellt. Für die Moderation verschiedener Sendungen wurde erfahrene Fernsehgrößen wie Fritz Pleitgen, Hellmuth Karasek, Elke Heidenreich und Ruprecht Eser verpflichtet. Die DEL wird vom früheren MTV- und RTL-Moderator Holger Speckhahn präsentiert.

In Deutschland ist der Sender bereits in 80 Prozent der Haushalte empfangbar. Martin Blank sagt: „Wir senden kein Trash, wir setzten auf Qualität.“ Und auf eine ungewöhnliche Mischung. „Eishockey als Topsportthema, Kultur und Doku“, sind laut Blank Senderschwerpunkte. So liest sich das Programm für den ersten Sendetag mit DEL-Eishockey am 14. September dann so: Erst „Wissenswert – Bienen in Gefahr“, dann Eishockey Köln gegen Krefeld und später „Bergwelten – Eiger-Nordwand, Die Wand der Wände.“

Die DEL freut sich auf die Zukunft auf Sender kunterbunt. Thomas Eichin, Geschäftsführer der Kölner Haie, sieht in dem Servus-Deal „einen Meilenstein für das Eishockey“. DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke sagt: „Das wird uns weiterbringen.“ Bei Servus TV werde an nichts gespart, wenn es um Qualität gehe. Tatsächlich lässt sich Red Bull die DEL-Rechte etwas kosten: 14 Millionen Euro für vier Jahre, die 14 Klubs teilen sich pro Saison 3,5 Millionen Euro auf. Das wäre im Fußball lächerlich wenig, in den Mannschaftssportarten außerhalb des Fußballs ist es gigantisch viel. Zum Vergleich: Handball- und Basketball-Bundesliga bekommen nichts für Übertragungen, die Basketballer müssen sogar noch die Produktionskosten selbst tragen.

Senderchef Blank sagt: „Wir werden Eishockey als klare Sportart Nummer eins hinter Fußball etablieren.“ Es klingt für die DEL wie eine schöne Drohung, jetzt müssen nur noch alle mitspielen. Die Fans in den Stadien etwa. Die haben bei einem Servus-Testlauf in Straubing in der „Power Break“ kräftig gepfiffen. Tripcke hofft auf Einsicht der Anhänger und der Spieler: Vor zwei Jahren war Constantin Braun beim European-Trophy-Endspiel in Salzburg schon mal verkabelt. Nach zehn Spielminuten entkabelte sich der Verteidiger der Berliner Eisbären. Das Ding, sagte er, habe ihn beim Spielen gestört.

- European Trophy, 7. Spieltag: Eisbären Berlin - Kärpät Oulu am 8. September um 16.30 Uhr in der Arena am Ostbahnhof.

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