Sport : Die Deutschen vor Wien

Sven Goldmann

Nach dem Sieg über Argentinien hat Oliver Bierhoff gesagt: „Die Welt hat wieder Angst vor uns.“ Kein noch so Friedensbewegter hat dem Manager der deutschen Nationalmannschaft diesen Satz um die Ohren gehauen und ihn belehrt, er verwechsle da wohl Angst mit Respekt. Dieses Land freut sich, dass es im positiven Sinne wieder gefürchtet wird. Doch diesen in den Feiertagen der Weltmeisterschaft erspielten Ruf muss die Mannschaft im Alltag verteidigen. Nicht am Samstag im Duell der Halbfinalverlierer, das in völliger Verklärung der Umstände „kleines Finale“ genannt wird. Dieses Spiel ist ein Affront gegenüber zwei kurz vor dem großen Ziel gescheiterten Mannschaften, die vor großer Kulisse schmerzhaft an eben dieses Scheitern erinnert werden. Niemand wird der deutschen Mannschaft den Zugewinn an sportlicher Qualität absprechen, wenn sie das Turnier mit einer Niederlage und Platz vier beendet.

Die Phase der Bestätigung beginnt in neun Wochen: am 2. September in Stuttgart gegen Irland, mit dem ersten Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 2008 in der Schweiz und Österreich. Die deutsche Mannschaft wird zeigen müssen, dass sie auch ohne das berauschende Element der WM-Stimmung auf dem Niveau spielen kann, das sie in den vergangenen Wochen angedeutet hat. Sie muss gegen Tschechien, Irland und die Slowakei halten, was sie gegen Polen, Schweden und Argentinien versprochen hat. Das Team muss beweisen, dass es den möglichen Rücktritt von ein, zwei Stammspielern verkraftet (und vielleicht auch den des Trainers). Noch 701 Tage bis zum EM-Eröffnungsspiel in Basel. Wenn die Welt dann immer noch Angst vor Deutschland hat, haben Bierhoff und seine Kollegen einen guten Job gemacht. Noch 723 Tage bis zum Finale in Wien.

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