Sport : Die Dinge des Siegens

Franka Dietzsch rettet die deutsche WM-Bilanz

Friedhard Teuffel

Helsinki - Es gibt ein paar Kleinigkeiten, die von diesem Sieg erzählen. Da ist zum einen die Nummer. Als Franka Dietzsch sich in der Qualifikation der Weltmeisterschaft in Helsinki einen Diskus aussuchte, trug er die Nummer eins. Im Finale griff sie wieder zur bekannten Scheibe, insgesamt fünf Mal und warf davon viermal weiter als jede ihrer Konkurrentinnen. Dann waren da noch die Schuhe. Ihr Trainer Dieter Kollark hatte sie vor dem Finale neu besohlt und mit Haftspray eingesprüht, damit sie nicht so rutscht auf dem regennassen Wurfring. Obwohl sie zu den Werferinnen gehört, die sich am schnellsten um die eigene Achse dreht, gab sie den Diskus immer zum richtigen Zeitpunkt aus der Hand. Dietzsch fand, „die anderen hatten heute einfach keine so gute Technik wie sonst“. Sie hätte auch sagen können: Ich hatte einfach die beste Technik.

Zu diesem Weltmeistertitel von Franka Dietzsch gibt es aber auch noch ein paar wichtige biographische Anmerkungen. Dietzsch ist jetzt 37 Jahre alt, große Erfolge hatte sie schon, als es der wiedervereinigten deutschen Leichtathletik noch besser ging als heute, zum Beispiel bei der Weltmeisterschaft 1999 in Sevilla, als sie ebenfalls den Titel gewonnen hatte. Jetzt hat sie der deutschen Leichtathletik die erste WM-Goldmedaille seit vier Jahren beschert. Was nun auch passieren mag, Dietzsch hat die deutsche Bilanz gerettet.

Das Werfen hatte sie noch in der DDR gelernt. Sie findet es wichtig, das zu erwähnen. Nicht nur die technischen Grundlagen hatte sie dort erworben, mit der sie den Diskus so geschmeidig durch die Luft befördern kann, dass sie im Weltmeisterschaftsfinale mit 2,23 Metern Vorsprung vor der Zweitplatzierten siegte, der Olympiasiegerin Natalia Sadowa aus Russland. Auch ihre Umgangsformen hat sie übernommen. „Ich kenne es aus der DDR, meine Trainer zu siezen.“ Deshalb spricht sie von „Herrn Kollark“. Ein bisschen Süffisanz schwingt dabei aber in ihrer Stimme mit.

Die Zusammenarbeit mit Kollark ist eine besondere Geschichte, sie besteht schon seit 1991. Anfangs hätten sie große Schwierigkeiten miteinander gehabt, erzählt Dietzsch. „Er sagt nicht viel, und wenn er etwas sagt, dann ist das meistens kritisch. Das hat mich oft gestört.“ Sie selbst sei aber auch nicht einfach. „Ich kann eine ganz schöne Zicke sein.“ Die beiden haben sich jedoch arrangiert und ein erfolgreiches Team gebildet. Kollark hat einmal ausgerechnet, dass er gemeinsam mit seinem Kollegen Karl-Heinz Steinmetz, dem Trainer von Diskuswerfer Lars Riedel, die Hälfte aller WM-Medaillen seit der Wiedervereinigung gewonnen hat. Für den Olympiasieg seiner ehemaligen Lebensgefährtin Astrid Kumbernuss im Kugelstoßen ist Kollark ebenfalls mitverantwortlich.

Die zweifache Diskusweltmeisterin Dietzsch hat noch eine besondere Bestmarke aufgestellt. Sie ist die einzige Athletin weltweit, die über 20 Jahre weiter als 60 Meter geworfen hat. Das liegt vor allem daran, wie sie sich ihre Karriere eingeteilt hat. Sie arbeitet noch bei der Sparkasse Neubrandenburg-Demmin . Diskuswerfen alleine reiche ihr nicht aus. Außerdem hat sie sich herausgenommen, manchmal einen anderen Sport zu machen, Nordic Walking etwa. „Ich kann von Natur aus schnell Kraft aufbauen. Da muss ich nicht schon im November mit dem Training anfangen.“

Jetzt sagt sie: „Ich fühle mich gesund wie lange nicht.“ Das Programm ihres Trainers hat sie wohl nicht so schnell altern lassen. Er lässt seine Athleten auch im Sommer meistens in der Halle werfen, gegen Matten, Planen und Netze. „Dann ärgern sie sich weniger über ihre Weiten.“ Das spare Energie und Adrenalin.

Franka Dietzsch und Dieter Kollark vermissen jedoch die Anerkennung des Alterserfolgs. Die Werferin gehört nur noch dem deutschen B-Kader an. Auch für den Perspektivkader für die Olympischen Spiele 2008 wurde sie nicht berücksichtigt, mit dem wollte der Deutsche Leichtathletik-Verband junge Athleten fördern. Dabei hat sich Dietzsch noch etwas vorgenommen. „Ich habe Herrn Kollark versprochen, mit ihm auf die Chinesische Mauer zu gehen.“

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