Sport : Die Diva hat gute Laune

Nach Kritik zeigt Bremens Johan Micoud gegen Anderlecht eine Klasseleistung

Christian Hönicke

Brüssel - Erst fand Johan Micoud den spielerischen Glanz wieder und dann seine Stimme. Nach vier Tagen demonstrativem Schweigen reagierte Micoud auch abseits des Rasens auf die Forderungen von Manager Klaus Allofs. „Ich habe gezeigt: Ich bin wieder da“, sagte Werder Bremens zuletzt heftig kritisierte Fußball-Diva nach dem 2:1-Sieg in der Champions League beim belgischen Meister RSC Anderlecht.

Micoud zeigte mit dem beeindruckenden Auftritt in Brüssel die erhoffte Trotzreaktion. Er begeisterte nicht nur mit traumhaften Pässen, sondern auch mit Antreiber-Qualität und ungewohnt kämpferischem Einsatz. Zuvor war der launisch wirkende Franzose sowohl in der Öffentlichkeit als auch von Vereinsverantwortlichen wegen seiner Fehler gegen Mainz 05 und den FC Bayern sowie für sein Auftreten kritisiert worden.

„Manchmal muss man Klartext reden, alles andere nutzt da nichts“, sagte Allofs. Er fühlte sich am Mittwochabend bestätigt: „Man muss Probleme intern ansprechen, aber manchmal muss man das auch öffentlich machen. So wie man lobt, muss man auch kritisieren.“ Bei Micoud scheint die Botschaft angekommen zu sein. „Kritik bringt mich nach vorne“, erklärte der Spielmacher, der das Geschehen im Mittelfeld nach Belieben dominierte. Der 31-Jährige, der zuletzt Interviews abgelehnt hatte, sagte aber auch: „Ich bin alt genug, um mich ohne so etwas zu motivieren. Manchmal akzeptiere ich öffentliche Kritik, manchmal nicht.“

Hilfe hatte Micoud von seinen Mitspielern bekommen. „Wir haben ihn als Mannschaft total unterstützt und ihm gesagt, er soll sich auf seine Stärken konzentrieren“, berichtete Nationalspieler Miroslav Klose, „wir wissen, was für ein besonderer Spieler er ist.“ Nicht der starke Klose, sondern der schwächere Ivan Klasnic (36./59. Minute) vollendete Micouds Vorlagen zu den entscheidenden Toren nach Anderlechts Führungstreffer durch Christian Wilhelmsson (26.). Klasnic, der nur durch den kurzfristigen Ausfall von Angelos Charisteas in die Startelf gerückt war, gab zu: „Das war eine komische Situation. Es war sehr schwierig, denn ich war ein bisschen gekränkt, dass ich zuletzt nicht gespielt habe.“ Zugleich bestätigte er aber Trainer Thomas Schaafs Auswahl: „Er kann jeden Stürmer bringen, die treffen auch.“ Dank Klasnics Toren und des gleichzeitigen Sieges von Inter Mailand in Valencia hat Werder als Gruppenzweiter beste Chancen, das Achtelfinale zu erreichen. „Wir haben jetzt zwei Heimspiele, wenn wir da vier Punkte holen, sind wir durch“, lautet die Hochrechnung von Fabian Ernst. dpa

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