Sport : Die doppelte Anni

Mit einem Doppelschlag hat Anni Friesinger das Fehlen der schwangeren Rekordläuferin Gunda Niemann zum Auftakt der Weltcup-Saison vergessen gemacht. Die 24-jährige Inzellerin setzte sich in Berlin gegen die komplett angetretene Weltelite sowohl über 1500 wie über 3000 m durch und verbuchte damit das erste Weltcup-Doppel ihrer Karriere. Am Sonntag landete die 1500-m-Weltmeisterin in 1:57,86 Minuten ihren sechsten Weltcup-Sieg auf ihrer Lieblingsstrecke. Tags zuvor hatte sie sich in 4:08,44 zum ersten Mal auch auf der 3000-m-Distanz behauptet und damit die Wachablösung im deutschen Team vollzogen.

"Das war ein Super-Wochenende, ich bin total happy", sagte Friesinger und dachte in der Stunde des Erfolgs auch an die 100-malige Weltcup-Siegerin aus Erfurt: "Gunda fehlt mir als Mensch. Es ist aber nicht so, dass mich ihr Fehlen nun besonders motivieren würde." Für Salt Lake City herrscht nach dem blendenden Auftakt in Berlin im deutschen Team nun trotz des Fehlens der Thüringer Gold-Garantin Optimismus vor. "Jetzt habe ich die ersten Steine auf dem Weg zu Olympia aus dem Weg geräumt, aber ein paar mehr liegen noch vor mir", meinte Friesinger nach der geschafften Olympia-Norm, die das NOK mit Platz acht im Weltcup festgelegt hatte. Von ihren ausländischen Konkurrentinnen wird die Bayerin nun auch auf der langen Strecke als Gold-Favoritin für Olympia gehandelt.

"Ich war aber noch viel zu nervös. Das erste Rennen ist immer ein Grauen", gestand sie nach dem 3000-m-Premierenerfolg über Weltrekordlerin Claudia Pechstein. Doch auch die Berlinerin, die in 4:09,69 mehr als eine Sekunde langsamer war, lief nicht voll konzentriert. "Es ist mir fast peinlich, aber ich habe mich in der Schlussrunde geirrt", gab die 29-Jährige zu und fügte an: "Was heißt nur Zweite? Ich bin so gut wie nie in die Saison gestartet", sagte die Doppel-Olympiasiegerin.

Am Sonntag verwies Anni Friesinger im letzten Paar laufend die Amerikanerin Jennifer Rodriguez (1:58,10) und die glänzend laufende Erfurter Sprinterin Sabine Völker (1:58,30), die sich damit den Traum vom Olympia-Start auf dieser Strecke erfüllte, auf die Plätze. Dabei hatte die Profi-Läuferin aus Inzell noch Schrecksekunden wegen des Ausfalls der Zeitmessung zu überstehen. "Ich habe etwas gebangt, bis die Zeit angesagt wurde", meinte sie.

Mit diesen Top-Resultaten konnten die deutschen Herren nicht mithalten. Als einziger buchte Christian Breuer aus Grefrath als Siebter über 1500 m auf Anhieb das Olympia-Ticket. Der nationale Meister war in 1:50,76 so schnell wie nie ein deutscher Läufer auf heimischem Eis. Den ersten Saisonsieg teilten sich der Norweger Petter Andersen und der Niederländer Jakko Jan Leeuwangh, die beide auf 1:50,23 Minuten kamen.

Die deutschen Langstrecken-Läufer verpassten die direkte Olympia-Qualifikation. Der Chemnitzer Frank Dittrich (6:38,10) wurde über 5000 m Zehnter, der Erfurter Rene Taubenrauch (6:40,75) landete auf Rang 13. Nicht zu schlagen war Doppel-Olympiasieger Gianni Romme (Niederlande/6:28,92).

Überschattet wurden die Rennen von Startverbot des russischen Europameisters Dimitri Shepel auf Grund erhöhter Blutwerte, die als Indiz für den Einsatz von Epo gelten. Dies war ein Novum in der Geschichte der Internationalen Eislauf-Union seit Einführung der Bluttests 1998.

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