Die drei Stooges der Eisbären : Das Gleichgewicht ist gestört

Das Spiel des Offensivduos Olver/Tallackson bringt die Eisbären durcheinander. Früher lebte das Team von seiner Ausgeglichenheit - jetzt ist es leichter auszurechnen. Das hat Folgen.

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Ein Fall für Zwei. Barry Tallackson (l.) und Darin Olver halten sich am liebsten vor des Gegners Tor auf.
Ein Fall für Zwei. Barry Tallackson (l.) und Darin Olver halten sich am liebsten vor des Gegners Tor auf.Foto: contrastphoto

In Augsburg, der kleinen schwäbischen Großstadt im Südwesten Bayerns, ist es beschaulich. Und sehr schön, ergänzt Darin Olver. Schön gemütlich hatte es der Kanadier mit deutschem Pass dort bei den Panthern, dem wackeren Provinzklub, der sich vor zwei Jahren glücklich ins Finale der Deutschen Eishockey-Liga spielen konnte. Olver war dabei. Noch schöner wurde es für ihn in Augsburg, als vergangene Spielzeit Barry Tallackson sein Sturmpartner wurde. Olver wurde Topscorer, Tallackson zweitbester Torschütze der Hauptrunde. Sehr schön, dachten sie sich bei den Eisbären. Holen wir uns doch dieses treffsichere Duo. Beim Deutschen Meister zahlen sie eben mehr als in Augsburg.

Am Freitag gibt es für Olver und Tallackson ein Wiedersehen mit den alten Mitspielern aus Augsburg in der Arena am Ostbahnhof (19.30 Uhr). Nostalgisch wird Olver dabei nicht: „Ich bin froh, dass ich jetzt bei einem Spitzenklub bin.“ Auf den ersten Blick hat sich der Einkauf der beiden Torjäger für die Berliner gelohnt. Nach 16 Spielen haben Tallackson und Olver mit ihrem Sturmpartner Florian Busch 20 von 53 Treffern der Eisbären erzielt. Trainer Don Jackson nennt sein erfolgreiches Trio in Anlehnung an eine amerikanische Komikertruppe aus Urzeiten „Die drei Stooges“. Jeder der drei besetze eine andere Rolle, sagt Jackson. Der technisch versierte Busch sei der harte Junge, der exzellente Schlittschuhläufer Olver der smarte Bursche und der großgewachsene Barry der Vollstrecker. Jackson lacht und dann wird er ernst. Denn im eigenen Drittel sind seine Stooges selten unterwegs, wenn es im Berliner Tor einschlägt. Nicht so gut, findet Jackson. „Jeder muss bei uns auf zwei Ebenen seinen Beitrag leisten: Tore schießen und Tore verhindern.“

Letzteres mussten Tallackson und Olver in Augsburg weniger. „Da war meine Rolle, die Tore zu schießen“, sagt Olver. Das implizierte Freiheiten, was die Defensivaufgaben betraf. „Aber ich muss da jetzt zulegen“, sagt der 26-Jährige, der dafür Geduld fordert. Sein zwei Jahre älterer US-amerikanischer Mitspieler sieht keine Integrationsprobleme. „Wir passen gut zu den anderen Spielern“, sagt Tallackson. Jackson glaubt allerdings, dass Olver noch einen Weg vor sich hat: „Neulich kam er bei mir an und sagte: Trainer, ich stand nur bei einem Gegentor auf dem Eis. Ich musste ihn korrigieren, es waren zwei.“ Tatsächlich stand Olver in der Plusminusstatistik nur zwei Mal mehr bei erzielten Toren auf dem Eis als bei Gegentoren – und das bei einem Spitzenteam wie den Eisbären.

Auch wenn Jackson Tallackson von Kritik verschont („er hat schon sehr viele Tore geschossen“), ist offensichtlich, dass die Verpflichtung der beiden Augsburger ein Eingriff in die Struktur einer ausbalancierten Mannschaft war. Die Torschützen verteilten sich bei den Eisbären gleichmäßiger als jetzt. Die Berliner waren schwer auszurechnen. Jetzt aber wissen die Gegner, dass es sich lohnt, der zweiten Berliner Reihe auf die Füße zu treten. Jackson sieht da ein Problem, insbesondere weil seine erste Reihe um Kapitän Stefan Ustorf noch nicht so recht zum Zuge kommt. „Es funktioniert nicht, dass du in einer Reihe die Topscorer hast und in der anderen Reihe die Anführer der Mannschaft.“

Was kann der Trainer tun, um die Balance wieder hinzukriegen? Don Jackson sagt: „Das ist eine interessante Geschichte. Aber wenn wir im Sport immer eine Antwort auf alle Fragen hätten, würden wir keine Eintrittskarten mehr verkaufen.“ Wenn es so ist, haben die Eisbären alles richtig gemacht. Für das Heimspiel am Freitag hatten sie am Donnerstag fast alle Karten verkauft.

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