Sport : Die drei von der Rundbahn

Jörg Wenig

Der April ist für die Leichtathleten der Marathon-Monat. Zehntausende starten bei den großen Klassikern, die zu keiner anderen Zeit des Jahres in derartiger Dichte stattfinden. Paris hat am vergangenen Sonntag mit knapp 30 000 Teilnehmern den Anfang gemacht, während in Berlin beim Halbmarathon am gleichen Tag fast 15 000 Athleten gezählt wurden. Am nächsten Wochenende folgen der London-Marathon mit voraussichtlich 33 000 Startern sowie am traditionellen Montagstermin der Klassiker in Boston mit bis zu 14 000 Läufern. Am 21. April werden fast zeitgleich 10 000 Athleten in Rotterdam und 20 000 in Hamburg Marathon laufen.

Die großen Rennen verzeichnen einen ungebrochenen Zulauf. "Dieser Boom ist nicht über Nacht gekommen. Es ist eine Entwicklung über Jahrzehnte, und die Läufe haben sich zu Events entwickelt", erklärt Horst Milde, der Cheforganisator des Berliner Halbmarathons und Marathons. "Hinzu kommt, dass immer mehr Menschen den gesundheitsspezifischen Wert des Laufens erkennen und immer mehr Frauen zum Laufsport finden", sagt Milde, der glaubt, "dass das Ende des Booms noch lange nicht erreicht ist". Die Größe seines Berliner Halbmarathons hat sich binnen zwei Jahren fast verdoppelt, und es ist erst vier Jahre her, dass bei diesem Lauf gerade einmal rund 3500 Athleten starteten.

Ähnliches kann auch Wolfram Götz, der Chef des Hamburg-Marathons, berichten. 1998 zählte der zweitgrößte deutsche Marathon rund 10 000 Meldungen, seit dem vergangenen Jahr sind es rund doppelt so viele. "Unser Teilnehmerlimit war bereits Ende Januar erreicht, wir hätten bis zu 25 000 Athleten haben können. Inzwischen mussten wir einige tausend Läufer auf das nächste Jahr vertrösten", sagt Wolfram Götz.

Das Top-Ereignis der April-Rennen findet jedoch nicht in Deutschland statt. Der London-Marathon am kommenden Sonntag, der in den vergangenen beiden Jahren der weltweit größte war, ist nicht nur quantitativ sondern auch qualitativ die Nummer eins. 70 000 Läufer bewarben sich um die limitierten Startnummern, die Veranstaltung hat einen Etat von rund 8,5 Millionen Euro. Davon hat der frühere Weltklasseläufer David Bedford knapp 3,5 Millionen zur Verfügung. Diese Summe, die den Gesamtetat des größten deutschen Marathons in Berlin noch um eine halbe Million übertrifft, gibt der Athletenmanager alleine für den Bereich der Topläufer aus.

Mit diesem Geld läuft viel. Und so erklärt sich auch, warum Haile Gebrselassie seinen ersten Marathon nicht in Rotterdam läuft, obwohl dieses Rennen von seinem Manager Jos Hermens organisiert wird. In London gibt es gleich zwei interessante Marathon-Debüts: Neben dem äthiopischen 10 000-m-Olympiasieger und Weltrekordler startet auch die beste europäische Läuferin über die längste Bahndistanz, Paula Radcliffe (Großbritannien), zum ersten Mal über die klassischen 42,195 km.

Das dritte vielversprechende Marathondebüt dieses Frühlings findet dann in Hamburg statt, wo Dieter Baumann antreten wird. Die drei von der Rundbahn haben als Marathon-Neulinge durchaus Siegchancen. Für derartige Erfolge gibt es genügend prominente Beispiele. So gewann die Kenianerin Tegla Loroupe 1994 ihr Debüt sogar auf der anspruchsvollen New Yorker Strecke. Später stellte sie zweimal eine Marathon-Weltbestzeit auf.

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