Sport : Die dunkle Wolke verschwindet

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Das zweite Mal tut bisweilen mehr weh als das erste Mal. Im Februar 2002 verlor ein 39 Jahre alter Jungtrainer aus Portugal 2:3 mit dem FC Porto gegen den SC Beira-Mar, es war seine erste Heimniederlage im dritten Cheftrainerjahr. Die Niederlage plagte ihn nicht weiter, denn es folgten neun Jahre und 150 Ligaheimspiele ohne Punktverlust. Die zweite Heimniederlage seiner Trainerkarriere schmerzte José Mario dos Santos Felix Mourinho dagegen sehr viel mehr: Es war ein 0:1 mit Real Madrid gegen Sporting Gijon, den Tabellen-15. der spanischen Liga.

Doch es ist mehr als nur das Ende einer unheimlichen Serie. Bei nun acht Punkten Rückstand auf den FC Barcelona schreibt Mourinho selbst schon den Meistertitel ab. Doch was noch viel schlimmer sein könnte: Der Nimbus, die bedrohliche dunkle Wolke, die Mourinho stets umkreiste und Gegner wie Mitstreiter einschüchterte, ist verzogen. „The Special One“ ist gewöhnlich geworden. Sicher, er hat die Champions League mit zwei verschiedenen Klubs gewonnen sowie das Triple, aber das haben andere Trainer auch schon geschafft.

Stattdessen muss sich Mourinho nun fragen, ob sich mit seiner Siegesserie auch seine eigenwillige Art abgenutzt hat. Die ständige Selbstherrlichkeit, die Provokationen gegen Gegner, Schiedsrichter und Fans kann sich der „Gewöhnliche One“ vielleicht nicht mehr lange leisten. Dass vergangene Erfolge menschliche Schwächen nicht dauerhaft überdecken, mussten in Deutschland schon Louis van Gaal und Felix Magath feststellen. Und selbst Barcelonas Erfolgstrainer Josep Guardiola ist mittlerweile überzeugt, dass sich auch das beste Konzept irgendwann abnutzt. „Mit der Zeit werden Spieler ihrer Trainer überdrüssig und umgekehrt“, sagte er jüngst und deutete seinen Abschied aus Barcelona für 2012 an.

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