Sport : Die Ecke im Ring

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Wie kann man sie vergessen, diese stillen, intensiven Minuten zwischen den Beiden? Wenn der Trainer Emanuel Steward seinem Boxer Wladimir Klitschko, Weltmeister in Schwergewicht, die Hände bandagiert hat? Es war mehr als ein Ritual. Es war eine Art Zwiesprache, in der die beiden eingetreten waren. Steward sagte wenig, Klitschko nie etwas. Diese Minuten waren heilig, sie bargen Übersinnliches.

Emanuel Steward lebt seit ein paar Tagen nicht mehr. Wird Klitschko diesen Verlust auffangen können?

Am Samstag kehrt Waldimir Klitschko in den Boxring zurück. Gegen den Polen Mariusz Wach setzt der Champion seine Titel der IBF, WBO und WBA aufs Spiel. In seiner Ringecke wird in Johnathon Banks stehen, ein ehemaliger Sparringspartner und Steward-Lehrling. Unter normalen Umstände sollte Klitschko diesen Kampf gewinnen. Zwar ist Wach ein Gegner, der erstmals größer ist als Klitschko, dazu noch unbezwungen, doch hat er keine namhaften Gegner geboxt. Aber wer leitet Klitschko? Deshalb ist der Kampfausgang von Ungewissheit umweht. Es gibt wohl keinen zweiten Sport, bei dem das Verhältnis Athlet/Trainer derart intensiv und gleichsam sensibel ist. Boxtrainer können ganze Kämpfe für ihren Schützling gewinnen. Und auch verlieren. Selbst die Stärksten brauchen einen Coach, einen Sekundanten, einen, der sie beschützt, vor allem mental.

Gewiss, der Boxkampf ist ein harter, ein körperlicher, ja, ein rauer Sport. Dort überlebt nur derjenige lange, der begreift, das Kämpfe eben nicht nur am Kopf, sondern im Kopf entschieden werden. Das war Stewards Credo.

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