Sport : Die eigene Geschichte überholt

Die Eisbären besiegen auch im dritten Endspiel die Mannheimer Adler 4:1 – und machen sich glücklich

Claus Vetter

Berlin - 21 Uhr 46 war es, als es gestern im Sportforum Hohenschönhausen auf den Zuschauertribünen und auf dem Eis kein Halten mehr gab. Alle Spieler der Eisbären sprangen auf die Eisfläche und lagen sich in den Armen, denn exakt zu diesem Zeitpunkt war amtlich, was den Berlinern vor der Saison nicht jeder zugetraut hatte: Sie sind Deutscher Eishockeymeister. Erstmals in ihrer Vereinsgeschichte. In der Finalserie „Best of five“ kamen die Eisbären am Dienstag im dritten Spiel gegen die Mannheimer Adler zum dritten Sieg. Der Weg zum 4:1 (1:1, 1:0, 2:0) war zwar für die Berliner nicht einfach, aber das war längst vergessen, als Kapitän Steve Walker unter dem Jubel der Fans im hoffnungslos überfüllten Sportforum den Meisterpokal entgegen nahm. Erstmals seit 1976, nach dem Berliner Schlittschuh-Club, kommt der deutsche Titelträger im Eishockey wieder aus Berlin.

Die Mannheimer Adler hatten gestern ein Poster in ihrer Kabine aufgehängt. Darauf war der Meisterpokal der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) abgebildet. So wollte Trainer Stephane Richer seine Spieler noch einmal zu einer couragierten Leistung motivieren. Das klappte dann anfangs auch. Obwohl die Berliner spielbestimmend waren, sollte der Puck nach acht Spielminuten im Tor von Berlins Oliver Jonas landen. Jochen Hecht hatte einen Schuss von Yannick Trembley geschickt abgefälscht.

Das Erstaunliche am Mannheimer Treffer war, dass er bei Überzahl der Adler fiel. In den beiden Finalpartien zuvor, die Berlin 5:3 und 4:0 gewonnen hatte, hatten die Badenser im Powerplay die Eisbären nicht erschrecken können. Dafür war auf das Berliner Powerplay Verlass gewesen. Damit sah es gestern lange ein wenig anders aus, zumindest was die Effektivität betraf. Trotz einiger Situationen, in denen die Eisbären in numerischer Überlegenheit agieren durften, trafen sie das Tor zunächst nicht. Auch nicht, nachdem Mannheims Torhüter Cristobal Huet nach elf Minuten schon geschlagen war. Da stoppte der Mannheimer Verteidiger Michael Bakos einen Schuss des Eisbären Shawn Heins knapp vor der Torlinie.

Der Ausgleich fiel erst kurz vor Ende des ersten Drittels: Nach einem fulminanten Sprint von Erik Cole, den der US-Amerikaner mit einem geschickten Schlenker vor Mannheims Torhüter Huet gekonnt abschloss – die Berliner waren in Unterzahl. Nach dem ersten Berliner Tor wurde es dann etwas hektischer und mitunter auch unansehnlicher, weil die Mannheimer es mit der Disziplin nicht so genau nahmen. In einer Szene hatten sie allerdings Pech. Als schon ein Spieler der Adler auf der Strafbank saß, verhängte Schiedsrichter Thomas Schurr aus Bad Wörishofen noch eine Strafe gegen Jason Podollan, weil der nach Schurrs Meinung Berlins Torwart Jonas attackiert hatte. Dem war allerdings nicht so. Die Berliner störte es weniger, denn sie konnten in der folgenden 5:3-Überzahl nach 38 Minuten endlich in Führung gehen. Der überragende Cole fälschte einen Schuss von Heins ins Tor ab. Mochte die Führung der Eisbären auch glücklichen Umständen geschuldet sein: Unverdient war sie nicht.

Fünfzehn Minuten vor Schluss gelang dann Steve Walker – wieder nach einer strittigen Entscheidung Schurrs – in Überzahl der erlösende Treffer zum 3:1 für die Berliner. Das Rennen um den Titel war entschieden. Die offiziell 5000 Zuschauer – es mögen einige mehr gewesen sein – klatschten sich im Sportforum danach schon mal für die anstehenden Feierlichkeiten warm und wurden nur durch das 4:1 durch Denis Pederson sieben Minuten vor Ende kurz abgelenkt.

Meist stehend verfolgten auch die Besucher auf den Sitzplätzen das letzte Saisonspiel und das wichtigste Spiel der Eisbären in ihrer Geschichte: Seit gestern sind die Berliner Deutscher Eishockeymeister. Verdientermaßen. Und das wurde nicht nur von den Spielern noch stundenlang und feucht-fröhlich in Hohenschönhausen gefeiert.

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