Sport : Die eigenen Interessen

Friedhard Teuffel

Gegen Doping zu kämpfen heißt eigentlich, die Ethik des Sports zu verteidigen. Das Präsidium des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) scheint dagegen eher an der Verteidigung eigener Interessen interessiert zu sein. DOSB-Präsident Thomas Bach war von Anfang an dagegen, den Besitz von Dopingmitteln strafrechtlich verfolgen zu lassen und damit den Athleten staatlichen Ermittlungsbehörden auszuliefern. Im Sinne der Ethik des Sports konnte er das nicht begründen. Er befürchtete wohl stattdessen, dass der Sport seine Eigenständigkeit und damit insgesamt an Wert verlieren könnte. Ihre Glaubwürdigkeit aber haben viele Sportarten in diesem Jahr des Dopings längst verloren.

Dass der Besitz von Dopingmitteln straffrei bleiben sollte, ließ sich der DOSB dann von selbst berufenen Experten bestätigen. In ihrem Abschlussbericht stand jedoch der fatale Satz, wonach ein Anti-Doping-Gesetz ein Standortnachteil wäre, weil es ausländische Athleten abschrecken könnte. Will der DOSB etwa gedopte Athleten nicht abschrecken? Also lieber Kommerz als sauberen Sport? Der DOSB hat diesen Satz zwar heimlich aus dem Papier entfernt, verborgen geblieben ist er aber nicht.

Doping hat dem Sport so zugesetzt, dass er eigentlich alles versuchen müsste. Käme es nicht auch bei der Bestrafung des Dopingmittelbesitzes auf einen Versuch an, wäre es nicht den Aufwand wert? Es ist fast absurd, dass Minister Schäuble bereit gewesen wäre, das Strafrecht zu ändern, der Sport sich jedoch von ihm nicht so viel helfen lassen will. Jetzt steht der Sport unter größerem Druck als vorher. Er muss weitgehend alleine gegen Doping kämpfen, gegen einen Betrug, der längst organisierte Kriminalität ist. Es ist nicht schwer vorhersehbar, wie dieser Kampf ausgehen wird.

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