Sport : Die Eisbären kommen zurück

Nach einem 2:4-Rückstand gewinnen die Berliner ein turbulentes Play-off-Spiel noch 5:4 gegen Krefeld

Claus Vetter

Berlin - Auf die letzten 30 Sekunden des gestrigen Eishockeyspiels im Sportforum Hohenschönhausen mussten die 5000 Zuschauer fünf Minuten warten. Für die Anhänger der Eisbären war die Wartezeit unangenehm, auf den Rängen wurde es immer leiser: 30 Sekunden vor der Schlusssirene der dritten Play-off-Partie des Deutschen Meisters gegen die Krefeld Pinguine hatte der Außenseiter den Puck ins Berliner Tor befördert, zum 5:5, wie es schien. Doch die lange Spielunterbrechung nach dem Krefelder Torjubel hatte gute Gründe – Schiedsrichter Roland Aumüller hatte den Videorichter konsultiert. Nach dessen ausgedehntem Studium der Zeitlupe, wurde es laut auf den Tribünen, denn die Entscheidung hieß: Kein Tor, weil sich der Krefelder Chris Herperger regelwidrig im Berliner Torkreis aufgehalten hatte. Der Meister hatte Glück gehabt, gewann ein kurioses Spiel nach 2:4-Rücktand 5:4 (1:3, 1:1, 3:0). Damit führen die Eisbären nun 2:1 in der nach dem Modus „Best of seven“ ausgespielten Viertelfinalserie.

Die Berliner Spieler wirkten nach dem hart erkämpften Sieg mehr erleichtert als erfreut. „Krefeld spielt sehr stark“, sagte Eisbären-Stürmer Denis Pederson. „Das muss man anerkennen.“ Pedersons Mitspieler Sven Felski hingegen lobte nicht den Gegner, sondern kritisierte die eigene Mannschaft. „Wir machen einfach zu viele Fehler“, sagte der Stürmer. „Das müssen wir ansprechen.“ Das machte sein Trainer Pierre Pagé dann am späten Nachmittag auch. „Unsere mentale Form ist nicht gut genug“, sagte Pagé. „Darüber müssen wir vor dem vierten Spiel am Dienstag in Krefeld noch sprechen.“

Eines lässt sich den Eisbären momentan nicht bescheinigen: dass sie konstant spielten. Am Mittwoch unterlagen sie zum Auftakt der Serie den Pinguinen 2:4 und siegten zwei Tage später 6:1 im Rheinland. Da sah es so aus, als hätte der Favorit den Außenseiter in den Griff bekommen. Doch gestern wirkten die Eisbären zwei Drittel lang wie die sicheren Verlierer. Da gingen im Minutentakt Pässe ins Leere oder zum Gegner aus Krefeld. Der unsichere Berliner Torhüter Tomas Pöpperle ließ schon früh einen harmlosen Distanzschuss von Herberts Vasiljevs in sein Tor passieren. Auch nachdem die Eisbären durch ein Kontertor von Felski ausgeglichen hatten, wurden sie nicht sicherer. Jeweils in Unterzahl kassierten sie das 1:2 durch Mike Pudlick und das 1:3 durch Rob Guillet.

Im zweiten Drittel waren die Pinguine sogar besser. Nach Mark Beaufaits Tor zum 2:3 erhöhte Herperger auf 4:2 für Krefeld. Und weil das letzte Drittel mit mehreren unerlaubten Weitschüssen der nervösen Berliner begann, deutete nichts auf eine Wende hin. Doch innerhalb von 32 Sekunden war das Spiel ausgeglichen: Erst gelang Steve Walker nach einem Krefelder Fehler das 3:4, einen energischen Berliner Angriff später hatte Denis Pederson Krefelds Torwart Robert Müller umkurvt und den Puck ins Tor gelupft.

„Die Eisbären haben eben alles getan, um zu gewinnen, und wir nicht“, sagte Krefelds Trainer Teal Fowler später. Gegen das erwachte Berliner Selbstbewusstsein kamen die Pinguine nicht an: Micki Dupont brachte den Meister mit seinem Tor 13 Spielminuten vor Schluss in Führung. Das reichte den Eisbären trotz einer nervösen Vorstellung in der Schlussminute, die fast durch den Ausgleich bestraft worden wäre.

0 Kommentare

Neuester Kommentar