Sport : Die eiserne Lady

Nina Kraft holt Platz zwei beim Ironman-Triathlon auf Hawaii

Stefan Liwocha

Kona/Hawaii. Es ist kein gutes Zeichen, wenn die beiden derzeit besten deutschen Triathleten nicht zur großen Abschlusspressekonferenz erscheinen. Frust, Enttäuschung, körperliche Leiden – die internationale Presse rätselte im King-Kamehameha-Hotel über Thomas Hellriegel und Alex Taubert. Auf dem Podium sollten die fünf besten Männer und Frauen sitzen. Doch hinter den Namensschildern der beiden Deutschen blieben die Stühle leer.

Sicherlich schmerzte die Tatsache, dass bei der 26. Auflage des berühmtesten Langstrecken-Triathlons der Welt im paradiesischen Hawaii aus der namhaften deutschen Männer-Garde niemand einen Medaillenplatz errang – Hellriegel Vierter, Taubert Fünfter. Die Ehre der deutschen Ausdauerspezialisten rettete diesmal eine Frau. Nina Kraft saß beim Frage-und-Antwort-Spiel neben der Siegerin Natascha Badmann aus der Schweiz am Mikrofon, freute sich über ihren zweiten Platz und die damit verbundenen 30 000 Dollar Preisgeld. „Ich werde wohl erst später realisieren, dass dies der größte Erfolg einer deutschen Triathletin beim Ironman ist", sagte Kraft.

Was am Morgen beim Massenstart im Schwimmen mit dem U2-Song „Beautiful Day" und untypischem hawaiischen Wetter (Nieselregen und dunkle Wolken) begonnen hatte, endete 8:29:56 Stunden später bei Sonnenschein, extremer Luftfeuchtigkeit und Donnergrollen mit dem Sieg des Amerikaners Tim DeBoom, der vor dem Kanadier Peter Reid (8:33:06) und dem Neuseeländer Cameron Brown (8:35:34) das Ziel an der Kailua Pier erreichte. Nach 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen wurde dem alten wie neuen Sieger der obligatorische Blumenkranz von seiner Mutter überreicht. Der favorisierte DeBoom verteidigte seinen Ironman-Titel ebenso wie Natascha Badmann (9:07:54), die nur einen Rückstand von 37:58 Minuten auf den besten Mann hatte und ihren dritten Titel in Folge gewann. Dieses Kunststück war zuvor nur Paula Newby-Fraser (Simbabwe) gelungen, die achtmal auf Hawaii triumphierte.

Mit der stets lächelnden Badmann stieg eine neuer Ironman-Star empor. „Sie ist in einer anderen Klasse und momentan unantastbar", meinte Nina Kraft, die 6:32 Minuten hinter der alles dominierenden Schweizerin lag. Den dritten Platz erkämpfte sich die Kanadierin Lori Bowden. Es spricht für den Stellenwert des Klassikers als absolute Nummer eins der Ironman-Rennen, dass die beiden Sieger ein auf 100 000 Dollar aufgestocktes Preisgeld kassierten. Zumindest Tim DeBoom gab zu, „die letzten Meilen an die Summe gedacht zu haben“.

Wie in der Vergangenheit demonstrierten die Deutschen wie Hellriegel, Normann Stadler und Jürgen Zäck beim Radfahren ihre Stärke und schoben sich nach vorn. Das war die einzige Chance, um mit einem Zeitpolster gegen die stärkeren Läufer bestehen zu können. „Den Topleuten wegzufahren war die richtige Taktik", erklärte Hellriegel später, „und fünf Stunden vorn zu sein, war auch etwas wert.“ Dass es für den Bruchsaler nicht zum zweiten Titelgewinn nach 1997 reichte, lag an den läuferischen Qualitäten der Konkurrenz, die beim letzten Ironman-Akt plötzlich Morgenluft witterte.

Jürgen Zäck, der die Woche über Antibiotika eingenommen hatte, musste wegen schwerer Magenkrämpfe beim Laufen passen. Und Hellriegel hatte bei hoher Luftfeuchtigkeit am Ende nichts mehr zuzusetzen und wurde noch von drei Konkurrenten überholt. Immerhin kassierte er 15 000 Dollar Preisgeld. Während mit Markus Förster und Olaf Sabatschus zwei weitere deutsche Triathleten unter den besten zehn landeten, spielte Lothar Leder wie erwartet keine große Rolle. Der Dauerbrenner – und -renner –, der im vergangenen Jahr noch den fünften Platz auf Hawaii belegt hatte, landete in 9:11:12 Stunden nur auf Rang 38.

Der Darmstädter kam damit sogar noch hinter Natascha Badmann ins Ziel. Leder, zuletzt noch Sieger beim Ironman Frankfurt, zollte auf der Tropeninsel seinem enormen Ironman-Pensum Tribut. „Schon beim Anschauen von Leders’ Jahresprogramm bekomme ich schwere Beine", hatte Thomas Hellriegel vor der Ironman-WM auf Hawaii gescherzt, und Experten äußerten Zweifel, dass man als Topathlet vier Ironman in einem Jahr bewältigen kann.

So gehörte aus deutscher Sicht die Bühne plötzlich Nina Kraft, die sich nach einem Jahr mit vielen Krankheiten als Kämpfernatur behauptete. 2001 war sie in Kona Dritte gewesen, jetzt verbesserte sie sich nicht nur um einen Platz, sondern auch gleich um 27 Minuten.

Das war beste Werbung in eigener Sache. Denn anders als zum Beispiel ihr Triathlon-kollege Lothar Leder hat die Braunschweigerin nur wenige Sponsoren und finanziert sich überwiegend durch das Preisgeld. „Frauen stehen in dieser Randsportart immer noch im Abseits", sagt Nina Kraft. Dabei hat Hawaii gezeigt, dass sie den Männern durchaus einmal voraus sein können.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben