Sport : Die Eishockey-Cracks trainieren in der Provinz

Claus Vetter

Im oberschwäbischen Aulendorf geht es für gewöhnlich eher beschaulich zu. Seit Sonntag allerdings ist es mit der Ruhe im 9000-Seelen-Örtchen unweit von Ravensburg vorbei: Die Berlin Capitals haben im neuen Sport-Hotel des Vorortes ihr Trainingslager aufgeschlagen. "Endlich ist hier wieder mal etwas los," sagt ein Reporter der Lokalpresse entzückt. Auch der Bürgermeister ist ein wenig aufgeregt, hält sich so oft es geht in der Nähe der Prominenz aus der Hauptstadt auf. "Wenn sie irgendwo etwas brauchen", sagte er freundlich, "kein Problem, sagen sie einfach, dass sie von den Capitals sind."

Den Umgarnten geht es dabei natürlich gut. "Ist doch alles blendend hier", sagt Sylvain Couturier, der Stürmer der Capitals. Dabei könnte die geographische Lage des Trainingslagers durchaus die Stimmung trüben: Zur medizinischen Untersuchung müssen die Spieler ins 70 Kilometer entfernte Ulm, trainiert wird in der Eishalle von Dornbirn. Das liegt schon in Österreich und wird täglich in einer anderthalbstündigen Busreise angesteuert. Mindestens drei Stunden Fahrt täglich, das habe er im Vorfeld schon ein wenig mit Sorge betrachtet, sagt Trainer Dale McCourt. "Aber die Bedingungen hier sind ansonsten optimal, was soll man sich da beschweren?"

Die Halle in Dornbirn ist nagelneu, die Eiszeiten sind für die Capitals umsonst. Zufrieden beobachtet Roger Wittmann, der Generalbevollmächtigte der Capitals, die erste Übungsstunde auf dem Eis, bestaunt die Laufkünste von Stürmer Niklas Hede: "Was haben wir den Eisbären da bloß für einen Kracher losgerissen". Akribisch hat der Quasi-Manager der Capitals an der neuen Mannschaft gebastelt und 14 neue Spieler geholt. Noch mal alles dem Zufall überlassen, das wollte man beim Vorletzten der zurückliegenden Saison nicht. Dieses Jahr ist man vom Erfolg überzeugt. "Wir haben ein Ziel", hat Dale McCourt seinen Spielern beim ersten gemeinsamen Abendessen gesagt. Um welches Ziel es sich dabei handelt, hat der Trainer nicht erläutert. "Ich wollte nicht zuviel Tiefe in die erste Ansprache packen", sagt McCourt. "Jeder weiß doch, worum es geht." Das gilt scheinbar auch für den Bürgermeister von Aulendorf. Den Ausführungen des Trainers hat er jedenfalls gespannt gelauscht.

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