Sport : Die Eishockeygötter sind Berliner

Die Eisbären siegen 4:3 in Krefeld und ziehen ins Finale gegen Köln ein.

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Der erste Schritt ins Finale. Die Berliner jubeln über den Treffer zum 1:0 durch Frank Hördler, während Krefelds Torhüter Tomas Duba weniger Spaß hat. Foto: dpa
Der erste Schritt ins Finale. Die Berliner jubeln über den Treffer zum 1:0 durch Frank Hördler, während Krefelds Torhüter Tomas...Foto: dpa

Krefeld - Auch höhere Mächte konnten oder wollten die Eisbären nicht stoppen. Vor dem Spiel waren die Eishockeygötter von vier Fans der Heimmannschaft im Mittelkreis der mit 8029 Zuschauern restlos gefüllten Krefelder Arena beschworen worden, um einen Sieg der Berliner und das frühe Ende der Halbfinalserie noch zu verhindern. Doch die Eisbären ließen sich dadurch nicht aufhalten: Sie besiegten die Pinguine im am härtesten umkämpften Spiel zwischen beiden Teams 4:3 (2:0, 1:2, 1:1) und gewannen damit die Serie 3:0 nach Siegen. In der Finalserie um die deutsche Eishockeymeisterschaft treffen sie ab Sonntag auf die Kölner Haie, die ihr drittes Halbfinalspiel gegen Wolfsburg 4:2 gewannen. Die Berliner haben weiter die Chance, erstmals drei Titel in Serie zu gewinnen.

Zwar begannen die Krefelder engagiert und versuchten, das Berliner Tor mit schnellem Passspiel in Gefahr zu bringen, wirklich gute Chancen konnten sie dabei aber nicht herausspielen. Die Berliner sahen sich das an, standen weitgehend konzentriert in der Abwehr, fuhren konsequente Checks und nutzten Präzisionsschwächen im Krefelder Spiel zu Kontern. Zu einem Zeitpunkt, als die Krefelder dann doch ernsthaft gefährlich zu werden schienen, konnte Frank Hördler den ersten Treffer für die Eisbären erzielen. Die Gastgeber zeigten sich sichtlich verunsichert, die Gäste nutzten das konsequent. Sie kontrollierten nun das Spiel, und Barry Tallackson baute die Führung aus, als die Eisbären erstmals in Überzahl spielten.

Diese Sicherheit konnten die Berliner allerdings nicht ins zweite Drittel hinüberretten. Kevin Clark, schon zuvor der auffälligste Krefelder Angreifer, nutzte eine Unaufmerksamkeit der Eisbären-Abwehr zum Anschlusstor. Ein Treffer, der den Pinguinen neuen Mut gab – und Roland Verwey die Kraft, um einen langen Sololauf zum Ausgleich für die Gastgeber zu vollenden. Den Eisbären drohte das Spiel zu entgleiten, bis Jens Baxmann den neuen Krefelder Schwung mit dem dritten Berliner Tor bremste. Zuvor hatte der wiederum starke Julian Talbot, der bereits die ersten beiden Berliner Treffer vorbereitet hatte, die Latte getroffen. Es war eine Situation, wie man sie in den diesjährigen Play-offs schon häufiger gesehen hatte: Nach einem temporären Kontrollverlust besaßen die Eisbären die kalte Routine, um ihrerseits zurückzuschlagen. „Wie haben immer die richtige Antwort gefunden“, sagte ihr Trainer Don Jackson später.

Die alte Souveränität kehrte aber nicht zurück. Das lange so einseitige Spiel war zu einem intensiven, offenen Schlagabtausch geworden. Florian Busch erhöhte in der Anfangsphase des Schlussdrittels auf 4:2, Herbert Vasiljevs schloss umgehend einen Konter in Unterzahl zum erneuten Anschlusstreffer ab. Es war bereits der siebte Play-off-Treffer des 36-Jährigen in dieser Saison. „Das darf uns in Überzahl niemals passieren“, sagte Eisbären-Verteidiger Constantin Braun.

Gegen die Krefelder, die sich nun aufopferungsvoll gegen das Ausscheiden stemmten und ihr bestes Eishockey in der Serie spielten, wurde die Schlussphase für die Berliner zu einer einzigen Abwehrschlacht, die sie mit letztem Einsatz, viel Glück und einem hervorragend haltenden Keeper Rob Zepp überstanden. „Hut ab vor Krefeld. Die haben gezeigt, dass sie nicht umsonst im Halbfinale standen“, sagte Braun. In der letzten Viertelstunde hätten die Pinguine „einen super Kampf“ geliefert. Sollte es die Eishockeygötter tatsächlich geben, waren sie an diesem Nachmittag jedenfalls auf Berliner Seite. Jan Schröder

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