Sport : Die endliche Geschichte

Besart Berisha ist Fußballprofi – und darf in Deutschland bleiben

André Görke

Klaus Toppmöller fasste sich kurz. „Junge, willst du überhaupt zu uns?“, fragte der Cheftrainer des Hamburger SV. „Na klar, Trainer“, antwortete Besart Berisha, der Testspieler aus Berlin. Toppmöller lächelte daraufhin und sagte: „Dann bleib gleich hier.“

So soll sich Berishas Vorstellungsgespräch in der Kabine des Hamburger SV abgespielt haben. Seit jenem Tag ist Berisha kein Amateurfußballer mehr, sondern Bundesligaspieler. Im Sommer wechselt der Stürmer von Tennis Borussia zum Fußball-Bundesligisten Hamburger SV; er hat einen Dreijahresvertrag unterschrieben – als Profi.

Das letzte Wort ist wichtig. Der Status eines „Profisportlers“ schützt ihn vor der Abschiebung.

Bisher war der junge Fußballer in Deutschland nur „geduldet“. Berisha ist vor 18 Jahren in Pristina im Kosovo geboren, mit sieben Jahren flüchtete er mit seiner Familie nach Deutschland. Illegale Einreise. Kein Asylrecht. Jetzt sollte er abgeschoben werden, „obwohl ich mich als Deutscher fühle“, hat er mal gesagt. Berisha ist in Berlin aufgewachsen, er ist integriert, er spricht fließend Deutsch.

Jetzt ist der Spuk vorbei, sagt Spielerberater Axel Kleinefinke. Durch den Profivertrag beim Hamburger SV „hat die unendliche Geschichte endlich ein Ende gefunden“.

Es bestand lange Hoffnung auf diesen kleinen Paragraphen mit dem Vermerk „Profisportler“, doch erst im Herbst sind die Talentspäher eines Profiklubs auf den jungen, physisch starken Stürmer von Tennis Borussia aufmerksam geworden. Der HSV lud ihn daraufhin zu einem Testspiel gegen den Zweitligisten VfB Lübeck ein. Berisha schoss ein Tor, und als er mit den A-Junioren von TeBe beim HSV-Nachwuchs antrat, waren es gleich zwei und eine Vorlage. „Eine optimale Bewerbung“ nennt das Berater Kleinefinke. Und HSV-Sportchef Dietmar Beiersdorfer sagte, dass „der Junge einen sehr, sehr guten Eindruck“ hinterlassen habe. Dann ging alles ganz schnell.

Berisha ist nun also Fußballprofi, und trotzdem besteht „immer noch Skepsis“, ob „das alles reibungslos klappt“, sagt Berisha. „Ich habe meine Papiere noch nicht in der Hand.“ Die Behörden prüfen den Vorgang gerade, Rechtsanwälte sind involviert. Berisha wollte eigentlich schon heute in seine Heimat reisen. Hin 1300 Kilometer auf der Autobahn, zurück geht es mit dem Flugzeug. Doch „er hat kein Flugticket mehr bekommen“, sagt sein Trainer Markus Schatte. In einer Woche will Berisha den nächsten Versuch unternehmen und die Papiere aus der Heimat holen.

Das Sportliche leidet unter all diesen Strapazen. Tennis Borussia hat am Wochenende in der Junioren-Bundesliga 0:3 beim VfB Leipzig verloren und Berisha wieder kein Tor erzielt. „Das alles geht nicht spurlos an ihm vorbei“, sagt Schatte. „Er wirkt emotional sehr berührt.“ Nach zwölf Jahren wird Berisha zum ersten Mal seine Großeltern sehen, wenn er seine Papiere aus Pristina holt. Über diese Emotionen will Besart Berisha aber noch nicht reden, „erst wenn alles vorbei ist“, sagt er. Vielleicht schon in einer Woche.

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