Sport : Die Ersatzdebatte

Friedhard Teuffel

erklärt, warum so viel über Trainer diskutiert wird Es ist noch kein Trainer entlassen worden in dieser Bundesligasaison. Das muss noch einmal festgehalten werden, weil das Getöse um die leitenden Angestellten der Liga gerade wieder so groß ist. Gleich mehrere Trainer scheinen ihren Arbeitsplatz schon verloren zu haben, nur hat man es ihnen noch nicht gesagt: Trapattoni in Stuttgart, Rangnick auf Schalke, Rapolder in Köln und, nicht zu vergessen, natürlich Wolf in Nürnberg und Lienen in Hannover. Dabei sind erst elf Spieltage vorbei.

Die Empörung über den Umgang mit den Trainern gehört zur Bundesliga wie die Meisterschaft. Was also ist neu an all den Fragen, ob der Übungsleiter auch am nächsten Spieltag noch auf der Bank sitzt? Offenbar verliert ein Trainer seinen guten Ruf noch schneller als bisher. Das ist die Gemeinsamkeit zwischen Trapattoni, Rangnick und Rapolder. Besondere Trainer wecken besondere Erwartungen, und nie scheinen die Erwartungen so hoch gewesen zu sein wie in dieser Spielzeit.

Nur, warum ist das gerade in dieser Saison so, obwohl doch jeder Spieltag das Unterhaltungsbedürfnis im Grunde ausreichend befriedigt? Es mag an der Tabelle liegen, also daran, dass alles wie erwartet läuft, der FC Bayern ganz oben steht und die kleinen Klubs ganz unten. Die Trainerdiskussion erscheint so als Ersatz für ausbleibende Überraschungen. Vielleicht liegt es aber auch daran, dass sich längst eine Parallelbühne aufgebaut hat zum eigentlichen Fußballschauplatz. Auf ihr findet das Unterhaltungstheater statt – mit all seinen Gerüchten und Skandalen. Dort werden den Trainern erst Fehler vorgeworfen, dann verteidigen sie sich, was ihnen wiederum als Schwäche ausgelegt wird. Bedrohlich wird es, wenn Trainer, Spieler und Vereinsführung zwischen beiden Bühnen nicht mehr unterscheiden können.

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