Sport : Die etwas andere Job-Garantie

HSV: Trainer Jara bleibt nur bei einem Sieg gegen Schalke

Oliver Trust

Kaiserslautern/Hamburg. Kurt Jara ahnte wohl, was ihm bevorsteht. Er lehnte an der kalten Wand im Kabinengang des Fritz-Walter-Stadions und sah blass aus. Wie einer, dem im diesem Moment einfach alles zu viel ist, verzog er das Gesicht. Ein paar Meter weiter traten so ziemlich alle Mandatsträger des Hamburger SV an, um jene Diskussionen zu führen, die Jara nach diesem 0:4-Debakel beim 1. FC Kaiserslautern als „müßig“ und „nervig“ empfand. Als gelte es sich einer Flutwelle entgegen zu werfen, stand der Hamburger Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann da und diskutierte über die Auslegung des Begriffs „Ultimatum“ und „Arbeitsplatzgarantie für Fußballtrainer“. Vieles an diesem Abend und am Tag danach glitt in die Sparte Haarspalterei ab. „Kurt Jara wird gegen Schalke auf der Bank sitzen, wir rücken noch enger zusammen, dann muss gewonnen werden“, sagte Hoffmann. „Das aber ist kein Ultimatum. Nicht einmal Herr Hitzfeld in München hat eine Arbeitsplatzgarantie, wenn er dreimal hintereinander verliert.“

Die Wenigsten um ihn herum wollten einsehen, was daran kein Ultimatum für den Österreicher Jara sein sollte. Für Jara bedeutet die Dienstanweisung: Entweder seine Mannschaft siegt gegen Schalke oder er wird entlassen. Die Hamburger finden sich in der Tabelle nur noch drei Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt wieder. Hoffmann aber schüttelte trotzig den Kopf und übte sich eifrig in der Kunst des strengen Blicks, als wolle er seinen Worten dadurch noch mehr Kraft und Nachdruck verleihen. Wie ein Heer von Missionaren liefen sie herum und redeten sich, ihr Umfeld bekehrend, den Mund fusselig, Dietmar Beiersdorfer, der Sportliche Leiter, Bernd Wehmeyer, der Teammanager, alle mühten sich Überzeugungsarbeit zu leisten. „Wir haben Vertrauen zu Jara und sind der Meinung, er erreicht die Mannschaft. Erst, wenn wir das nicht mehr glauben, werden wir handeln“, sagte Beiersdorfer.

Seit fast elf Monaten hat der HSV kein Auswärtsspiel mehr gewonnen, dazu hat das Scheitern in der ersten Runde des Uefa-Cups Spuren hinterlassen. Beim Gastspiel in der Pfalz patzte die Abwehr im Akkord, das Mittelfeld war nicht in der Lage, den Gegner unter Druck zu setzen. Spielmacher Rodolfo Cardoso saß aus disziplinarischen Gründen auf der Bank. Gleich neben ihm Stefan Beinlich, ein weiterer Vertreter der Abteilung Spielgestaltung. „Vielleicht sind die Erwartungen zu hoch, wir müssen zum einfachen Fußball zurückkehren“, sagte Jara. Wie verzweifelt die Hamburger Macher ihre Profis zu disziplinieren suchen, zeigt die Vorbereitung auf das Spiel in Kaiserslautern. Essen an einer Autobahnraststätte, eine neunstündige Fahrt mit dem Bus, dazu quälend lange Staus und ein biederes Mittelklassehotel in Bad Dürkheim. Klubchef Bernd Hoffmann hatte die Maßnahmen gegen Jaras Überzeugung durchgesetzt. Auch das zeigt, dass Jara in Hamburg kaum noch Macht hat.

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