Sport : Die falsche Richtung

Hertha BSC ist frustriert, weil die Mannschaft einfach das Tor nicht trifft

Mathias Klappenbach

Berlin - Nach zehn Spieltagen ziehen die Vereine in der Bundesliga intern ihre erste Saisonbilanz. Was lief gut, was schlecht, was müssen wir schnell ändern? Hertha BSC steht nach der 0:1-Niederlage in Bielefeld vom Samstag auf dem zehnten Rang, das Saisonziel heißt „einstelliger Tabellenplatz“. Die Mannschaft spielt ansprechenden Fußball, der Rückstand zum neunten Platz beträgt einen Punkt. Eigentlich müssten die Verantwortlichen mit dem bisherigen Saisonverlauf gut leben können, doch so langsam macht sich Unzufriedenheit breit. Denn Hertha könnte in der Tabelle wesentlich besser dastehen, auf einem Platz unter den ersten fünf. „Ich ärgere mich nicht nur über die Niederlage in Bielefeld, sondern auch immer noch über die Spiele in Nürnberg und gegen Mainz“, sagte Herthas Trainer Falko Götz.

Gegen die anderen beiden Aufsteiger hatte Hertha nur unentschieden gespielt, obwohl die Berliner wie gegen Bielefeld die besseren Torchancen hatten. „Wenn ich daran denke, wie viele Punkte wir gegen die Aufsteiger geholt haben, kommt mir das Erbrechen“, sagte Niko Kovac. Der Mittelfeldspieler sah in Bielefeld nach einem Foul seine fünfte Gelbe Karte in dieser Saison und ist für das Heimspiel gegen Borussia Dortmund (Dienstag, 20 Uhr) gesperrt. „So ein erfahrener Spieler darf in der letzten Minute nicht um die Gelbe Karte betteln. Ich werde über Sanktionen nachdenken“, sagte Falko Götz. „Das hat auch etwas mit fehlender Disziplin zu tun.“ Neben Kovac wird auch Josip Simunic, der sich in Bielefeld am Knie verletzte, gegen Dortmund fehlen. Statt des befürchteten Bänderrisses wurde eine Reizung des Außenmeniskus diagnostiziert. Simunic kann am Samstag in Freiburg vielleicht schon wieder spielen.

Auch der am Samstag zur Pause ausgewechselte Thorben Marx nicht zur Startelf gegen Dortmund zählen. Falko Götz kritisierte den Mittelfeldspieler gestern hart: „Es ist nach seinem guten Spiel gegen Leverkusen unverständlich, dass er so eine Leistung anbietet. Ich wollte ihn mit der Auswechslung befreien.“

Götz duldet keine Nachlässigkeiten, gegen den eigentlichen Grund für ihre Unzufriedenheit können die Verantwortlichen bei Hertha aber wenig unternehmen. „Die mangelnde Chancenverwertung zieht sich durch die gesamte Saison. Wir waren meistens dominierend“, sagte Manager Dieter Hoeneß. „Man muss darüber nachdenken, noch einen Stürmer zu holen. Wir brauchen jemanden, der vorne Tore macht“, sagte Falko Götz. „Unsere Stürmer müssen wieder beweisen, dass sie Tore schießen können. Diesem Druck müssen sie sich stellen.“ Bisher stand offiziell immer die Hoffnung im Vordergrund, dass das vorhandene Personal irgendwann damit beginnen würde, die Torchancen zu nutzen. Doch mit jeder vergebenen Großchance – wie der von Artur Wichniarek kurz vor Schluss in Bielefeld – steigt die Wahrscheinlichkeit, dass in der Winterpause ein weiterer Angreifer verpflichtet wird.

Dabei ist im System von Hertha derzeit nur Platz für einen Stürmer, Fredi Bobic. Das war im Mai diesen Jahres noch anders, als Hertha am drittletzten Spieltag um den Klassenerhalt bangte und dann Dortmund im Olympiastadion mit 6:2 besiegte. Artur Wichniarek bereitete zwei Tore vor und erzielte eines selbst, Hertha nutzte in diesem wichtigen Spiel fast jede Torchance. Auch die anderen beiden Stürmer, Bobic und Nando Rafael, gehörten damals zu den Torschützen.

Der Sieg gegen Dortmund im Mai drehte eine missratene Saison in Richtung Klassenerhalt. „Ich bin froh, dass wir schon am Dienstag spielen. Das lenkt von dem ganzen Ärger ab“, sagte Falko Götz. „Es kann jetzt nämlich in die eine oder andere Richtung kippen.“

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