Sport : Die falschen Klinsmänner

Michael Rosentritt

sagt, warum der Sponsor von Karlsruhe keinen Stil hat Ein bisschen Jürgen Klinsmann ist eben überall. Jetzt hat es auch den Karlsruher SC erwischt. Der Jürgen Klinsmann des KSC ist die Energie Baden-Württemberg (EnBW). Der Konzern ist Hauptsponsor des Fußball-Zweitligisten und will dort jeden Stein umdrehen und notfalls den ganzen Laden auseinander nehmen. So ähnlich hörte sich auch Jürgen Klinsmann an, als er beim Deutschen Fußball-Bund als Bundestrainer für die Nationalmannschaft anfing. Klinsmann brach Strukturen auf, tauschte Personen aus und hat bewirkt, dass die Deutschen wieder an ihre Nationalmannschaft glauben, was das Abschneiden bei der WM 2006 im eigenen Land anbelangt. Warum soll so etwas nicht auch beim Karlsruher SC klappen?

Dort hat die EnBW, der Hauptsponsor, in vereinsinterne Angelegenheiten eingegriffen und das Präsidium zur Entlassung des Sieben-Tage-Trainers Fanz gezwungen. Sonst wäre kein Geld mehr geflossen in den hoch verschuldeten Verein.

Es ist legitim, dass ein wichtiger Geldgeber bei wesentlichen Personalentscheidungen seines Partners mitbestimmen will und darf. Doch im Fall KSC/EnBW hat die Einflussnahme eines Hauptsponsors ein ungewöhnliches Maß angenommen. Die sportliche Kompetenz sollte immer beim Verein liegen.

Der Geldgeber, die EnBW, spricht von einer „offensiven Vorgehensweise“. Aber niemand spricht davon, dass ein 50 Jahre alter Trainer öffentlich als Versager abgestempelt worden ist. Und genau darin liegt der kleine, aber feine Unterschied zum richtigen Jürgen Klinsmann. Es ist eben auch alles eine Frage des Stils.

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