Die Fans bei Alba : Erwünschte Unruhe

Es ist lauter geworden bei den Heimspielen von Alba Berlin. Das hängt mit der neuen Gruppierung "Block 212" zusammen, die alten Alba-Fans sind irritiert.

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Berlin - Die jungen Männer auf den Stehplätzen hinter dem Korb tragen gelbe Stirnbänder, sie tanzen in den Auszeiten zur Musik, die aus den Lautsprechern der Arena dröhnt. Ganz vorne steht Hendrik Neumann, mit dem Rücken zum Feld. Per Megaphon versucht der 18-Jährige im schwarzen Kapuzenpullover, den Fanblock von Alba Berlin zum Mitsingen zu bewegen. Nicht alle machen mit.

Nicht nur beim letzten Testspiel der Berliner Basketballer vor dem Saisonstart lässt sich beobachten, dass sich etwas verändert in Albas Fanszene. „Unsere Idee war, uns vom Originalfanblock abzuheben“, sagt Neumann. Er und rund 30 Mitstreiter zwischen 16 und 30 Jahren haben sich Ende der vergangenen Saison unter dem Namen „Block 212“ zusammengeschlossen, um mehr Stimmung in der Arena am Ostbahnhof zu machen. Das stößt nicht bei allen Alba-Fans auf Gegenliebe.

Hendrik Neumann sieht sich als Capo von Block 212, so nennen die vom Fußball bekannten Ultragruppierungen ihren atmosphärischen Anführer. Für den 18-Jährigen bedeutet, ein Ultra zu sein, „alles für den Verein zu tun“, er spielt auch in einer Nachwuchsmannschaft bei Alba und hilft bei der Organisation von Partien der zweiten Mannschaft in der ProB-Liga. Alexander Kleis gehört ebenfalls zum Block 212, als Ultra bezeichnet er sich aber nicht. „Man guckt aber überall, wo man Ideen findet“, sagt der 20-Jährige. Er und seine Mitstreiter wollen mehr Lieder singen, mehr Fahnen, mehr Gelb, mehr Blau.

Auch Jörg Busche will mehr Stimmung. Seit 1996 ist er Vorsitzender des einzigen offiziellen Fanklubs „Alba-Tross“. „Grundsätzlich hat sich Block 212 sehr positiv ausgewirkt“, sagt der 46-Jährige, zuvor habe es im Fanblock „einen Durchhänger“ gegeben. Die Klangkulisse bei Heimspielen war zuvor meist relativ gleichförmig, unterstützt von Trommeln und Klatschpappen wird „Defense“ und „Alba, Alba“ gerufen. Jörg Busche ist in dieser Hinsicht froh, dass Block 212 frischen Wind bringt: „Die sind der Nachwuchs, den wir brauchen.“ Trotzdem ist Busche, der sein erstes Alba-Spiel 1988 in der Sömmeringhalle verfolgte und immer im arg verblassten Alba-Shirt im Fanblock steht, hin- und hergerissen. „Natürlich brauchen wir mehr Stimmung“, sagt er, „aber nicht auf Kosten des Niveaus. Ich gehe bewusst nicht zum Fußball.“ Viele alteingesessene Alba-Fans haben ein Problem damit, dass Block 212 gegnerische Spieler anpöbelt, laut Busche sind erstmals seit langer Zeit auch ausgestreckte Mittelfinger zu sehen. „Schwerpunkt muss aber sein, die Eigenen anzufeuern – und nicht, die Anderen runterzumachen“, sagt Jörg Busche. Hinzu kommt, dass der Ultrabegriff für viele „Alba-Tross“-Mitglieder ein rotes Tuch ist. „Man muss denen beibringen, dass Ultras nicht mit Hooligans gleichzusetzen sind“, sagt Hendrik Neumann.

In ein paar Wochen gibt Jörg Busche sein Amt als Fanclubvorsitzender nach 15 Jahren auf, wie sich die Zusammenarbeit zwischen den beiden Gruppierungen entwickelt, ist unklar. „Wir haben viele Gemeinsamkeiten“, sagt Busche. „Ich hoffe, dass es kein Nebeneinander oder Gegeneinander mehr gibt.“ Einige langjährige Fans sind aber auch beleidigt, weil der Verein Block 212 mit offenen Armen empfangen hat. Auf der Saisonabschlussfeier sagte Geschäftsführer Marco Baldi: „So eine Kreativität und Intensität von Alba-Fans haben wir noch nie erlebt.“ Jörg Busche berichtet, einige Fans, die seit 20 Jahren zu Alba gehen, hätten das als „Schlag ins Gesicht“ empfunden. Durch Block 212 ist die Atmosphäre feuriger geworden, die Alba-Verantwortlichen hatten in der Vergangenheit mehrfach betont, Gästeteams würden sich in der Arena am Ostbahnhof allzu wohl fühlen. Baldi findet, es sei nun „nicht mehr Aggressivität, sondern eher mehr Kreativität und Bedingungslosigkeit zu spüren.“ Er sehe es mit großer Freude, dass wieder „mehr Leben in die Bude“ gekommen sei.

Ein Bruch im Block lässt sich nicht feststellen, vielmehr eine gewisse Unsicherheit. „Es gibt Momente, in denen man merkt, dass wir nicht sehr willkommen sind. Wir wollen aber auf keinen Fall, dass zwei Gruppen gegeneinander arbeiten“, sagt Alexander Kleis. Ihm ist klar, dass eine bessere Stimmung nur gemeinsam mit den alten Alba-Fans gelingen kann. Bis es aber ein neues Wir-Gefühl im Fanblock gibt, müssen wohl noch ein paar Vorurteile überwunden werden.

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